Porträt
Kemptener Autor Michael Peinkofer hat auch für das Kaltenberger Ritterturnier seine Fantasie spielen lassen

Der Raum ist richtig klein. Maximal drei auf drei Meter. Zur Hälfte füllt ihn ein Schreibtisch aus, daneben haben nur noch zwei Ledersessel Platz, ein paar Regale, der Schreibtischstuhl. Die heruntergelassene Jalousie vor dem Fenster verstellt den Blick nach draußen auf die grüne Hecke. Das soll die Dichterstube sein? Michael Peinkofer lächelt. 'Ich würde eher sagen: das Dichterstübchen.'

Auf dem Schreibtischstuhl nimmt Michael Peinkofer jeden Vormittag Platz, wenn seine zehnjährige Tochter das Reihenhäuschen in Kempten Richtung Schule verlassen hat. Dann geht er die paar Schritte rüber zu seinem Büro, das in der Nähe gelegen ist, und hackt seitenweise Texte in den Computer. Dabei fliegen seine Gedanken hinaus aus der winzigen Dichterstube. Entweder zurück ins Mittelalter mit Rittern, Mönchen und Landsknechten.

Oder in Fantasiewelten, die bevölkert sind von Orks, Hexen oder Gnomen. Um diese beiden Themen kreisen die Romane des 46-jährigen Kempteners vor allem. Das Dichterstübchen hindert nicht, sondern hilft. "Ich brauche die Enge, um mich zu konzentrieren", sagt Peinkofer und deutet mit dem Finger auf seinen Kopf. "Das Weite und die Freiheit sind hier oben drin."

Michael Peinkofer gönnt sich große Freiheiten. Etwa die Freiheit zu schreiben, was er möchte. Inzwischen zählt der Mann mit Nickelbrille und Dreitagebart zur Crème de la Crème deutscher Fantasy-Autoren; zehn dicke Romane hat er bisher herausgebracht.

Und ebensoviele Geschichtsromane, wobei der Mittelalter-Thriller "Die Bruderschaft der Runen" 2004 zum Bestseller avancierte. Hinzu kommen 10 bis 20 Kinder- und Jugendbücher. So ganz genau kennt Peinkofer die Zahl nicht. Fast eine Million Auflage haben diese Bücher bisher gebracht. Da lag es nahe, dass die Macher des Kaltenberger Ritterturniers den Experten ins Boot holten.

Wer in diesen Wochen das Mittelalter-Spektakel bei Geltendorf besucht, erlebt eine Geschichte aus der Feder von Peinkofer. "Ritterherz" ist eine zweistündige Theater-Show, in der Königinnen und Prinzen lieben, gute und böse Ritter kämpfen, und am Ende einfache Leute sich ritterlich verhalten.

Ein neues Konzept für Kaltenberg. Den großen wie kleinen Zuschauern soll laut Peinkofer eine spannende Geschichte erzählt werden, die einerseits ihren Erwartungen entspricht, sie andererseits aber mit unerwarteten Wendungen überrascht.

Eine fiktive Darstellung des finsteren Mittelalters, in das ein bisschen die Sonne der Moderne blitzt, wie es Peinkofer ausdrückt. "Wir wollen ein romantisches Mittelalter aufleben lassen, kein historisches." Rätselhaft ist, wie Michael Peinkofer das alles unter einen Hut bekommt. Mit dem Schreiben von Büchern und dem Konzipieren von Shows ist es ja nicht getan.

Peinkofer geht regelmäßig auf Lesereise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er chattet mit seinen Fans auf Facebook, beantwortet E-Mails, konzipiert neue Bücher, schreibt Hörspiel-Skripts. Und recherchieren sollte er ja auch, schließlich will er bei den historischen Romanen die fiktiven Geschichten aus der realen Geschichte wachsen lassen.

Dazu liest er nicht nur historische Bücher, sondern forscht fleißig im Internet. Etwa um Übersetzungen von alten arabischen Handschriften aufzuspüren. Disziplin ist deshalb für Peinkofer das A und O. Vormittags schreiben, nachmittags organisieren und kommunizieren, spätabends neue Ideen spinnen. Dazwischen bleibt sogar Zeit für die Familie. "Ich brauche - Gott sei Dank - wenig Schlaf", sagt der Vielschreiber.

Frühmorgens lässt er sich um Sechs aus dem Bett klingeln. Weiterer Vorteil: Michael Peinkofer kennt keine Schreib-Blockaden. Während andere Schriftsteller verzweifelt vor weißen Seiten sitzen, fällt ihm dauernd was ein. Durchschnittlich zehn Seiten pro Tag produziert er. Dass dabei keine Weltliteratur rauskommt, weiß er.

Er sei weniger Künstlertyp denn "kreativer Handwerker", sagt er über sich selbst. Aber einen Anspruch verfolgt er dennoch: Peinkofer möchte auf unterhaltsame Weise Ethik, Moral und Politik verhandeln. "Es geht immer um die existenziellen Fragen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" Es geht ihm aber noch um etwas anderes: Der Filmfan Peinkofer möchte mit seinen Stories im Kopf der Leser Kinofilme in Gang bringen.

Deshalb schreibt er möglichst plastisch, nachvollziehbar und spannend - inklusive literarischer Action à la Hollywood. Neuerdings kehrt Michael Peinkofer wieder zu seinen Anfängen zurück, dem Krimigenre. In seiner Münchner Studienzeit schrieb er 180 Folgen für die berühmte "Jerry Cotton"-Serie - seine Anfänge als Schriftsteller mit einer Auflage von drei Millionen.

Jetzt lässt er den Krimiautor (!) Peter Fall schon zum zweiten Mal in Sachen Mord und Totschlag ermitteln. Der neue Roman "Mordfall" ist an diesem Vormittag, quasi druckfrisch, bei Peinkofer eingetroffen. Und wann liest der Schriftsteller Bücher einfach so zum Spaß? Peinkofers Antwort: "Dazu hab ich nur im Urlaub Zeit."

Autor:

Klaus-Peter Mayr aus Kempten

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