Begegnung
Kemptener Architekt in Afrika - Wiedersehen nach über 60 Jahren

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Es war das Jahr 1959. Sepp Huber schloss gerade sein Architekturstudium in München ab und überlegte, wie es weitergehen solle, als er von dem Missionsprojekt hörte: In Sambia - damals Nordrhodesien - wurde ein Architekt gesucht, um eine Schule zu bauen. Der 26-Jährige aus Kempten packte die Gelegenheit beim Schopf und machte sich für zwei Jahre auf nach Afrika. Die Sehnsucht nach dem Schwarzen Kontinent hat Huber tatsächlich nicht mehr losgelassen. Und so setzte er sich Ende Mai in ein Flugzeug und kehrte zurück nach Ndola - den Ort, der ihm vor 61 Jahren zur Herzenssache wurde.

Rückblende ins Jahr 1959: Eine Realschule für Mädchen stellten sich damals die Ordensschwestern der dominikanischen Fatima-Mission in Ndola vor. << Damals war das aber gar nicht so einfach umzusetzen >>, erinnert sich Sepp Huber:

Wer jemals seinen Fuß auf die afrikanische Erde gesetzt hat, der wird die Sehnsucht nach ihr ein Leben lang nicht mehr los. (Afrikanisches Sprichwort)

Steine in den Weg gelegt bekam das Projekt vor allem von den Briten, unter deren Protektorat Nordrhodesien bis 1964 stand. << Ein englischer Regierungsbaumeister sagte mir, dass für diese Menschen zweiter Klasse ein paar Baracken doch ausreichen >>, meint der 87-Jährige kopfschüttelnd.

Schließlich aber setzte sich die resolute Oberin Mother Mary Siena doch durch und der deutsche Architekt konnte mit seinen Planungen beginnen. Zwei Jahre später stand ein zweigeschossiges und rund 120 Meter langes Schulhaus in Ndola, das Platz für 1000 Schülerinnen bot. Sepp Huber hatte seinen Auftrag damit erfüllt und flog nach Hause.

Erst fehlte das Geld, dann die Zeit

Die Zeit ging ins Land. Huber heiratete und arbeitete in Kempten als Architekt. Mehrmals lud ihn Mother Mary Siena nach Afrika ein. << Erst hatte ich kein Geld, weil wir selbst ein Haus gebaut haben und dann fehlte einfach die Zeit >>, sagt der Vater einer Tochter.

Vor zwei Jahren dann starb die Ehefrau des heute 87-Jährigen und ein Jahr später erreichte ihn die Nachricht, dass die Oberin im Alter von 96 Jahren verstorben war. Dann kam erneut eine Einladung von der Rektorin der Schule. Und Sepp Hubers Fernweh erwachte wieder.

<< Andere Heimbewohner haben gesagt: Du bist verrückt, dass du mit 87 noch so eine Reise machst >>, erzählt Sepp Huber, lächelt verschmitzt und blickt auf die afrikanische Maske und die beiden Speere über der Eingangstür seiner Wohnung im Hoefelmayrpark: << Aber ich dachte mir, ich bin doch noch fit. >>

Ende Mai ging es für zwei Wochen zurück an seine alte Wirkungsstätte. << Das war unvergesslich >>, berichtet der 87-Jährige. Vor Ort besuchte er sofort << seine >> Schule, wo er mit Schülerinnen und Lehrern sprach. Einen Herzensw

unsch bekam Huber ebenfalls erfüllt: Bei seiner Ehrung als Pionier der ersten Stunde sangen 500 Schülerinnen in der Landessprache << Bemba >> Folklorelieder. << Das war wunderschön >>, erinnert er sich lächelnd, lehnt sich in seinen Sessel und lässt den Blick in die Ferne schweifen.

Schon wieder Fernweh? << Nein >>, sagt er, << noch einmal so eine Reise wäre zu strapaziös. Das waren 13 Stunden Flug. >> Aber den Kontakt nach Sambia wird er weiter halten. Weil es eine Herzensangelegenheit ist. (bec)

Sepp Huber - oder Joe, wie ihn die Afrikaner nannten - mit seinem Rhesusäffchen << Juliane >> im Jahr 1959 in Ndola und heute in seiner Wohnung im betreuten Wohnen des Hoefelmayrparks, wo er seit knapp einem Jahr lebt. Repro/Foto: Martina Diemand

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