APC-Sommer
Kempten: Tradition und Gegenwart, Jazz und Folklore berühren sich in der Musik des Elina Duni Quartets

Die junge Sängerin Elina Duni ist in Albanien aufgewachsen. Heute lebt sie in der Schweiz, von wo sie drei Musiker mitbrachte. Mit Colin Vallon (Klavier), Patrice Moret (Bass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug) webt sie aus Folklore und Gedichten ihrer Heimat mit jazzigen Garnen elektrisierende Klangteppiche.

Im Südosten, wo Europa und Orient sich in geradezu erotischer Spannung berühren, sind die eruptive Entladungen politisch schwer zu bändigen.

Nichtsdestotrotz: Künstlerisch und musikalisch ist das eine der interessantesten Ecken dieses Planeten. Und so sprühten die Funken bei diesem Konzert in den Kleinen Thermen.

Nicht nur, als das Publikum beim Balkan-Neuner (zwei, zwei, zwei, drei) einen Mitklatsch-Workshop erhielt. Elina kann man mit vollen Händen in eine lebendige Folklore greifen.

Da kann man als einheimischer teutonischer Musiker nur neidisch werden. Jene Melancholie und süße Schwermut, die man merkwürdiger Weise besonders an den Rändern Europas antrifft, ist in diesen Liedern beheimatet. Diese Melodie singe ihr 80-jähriger Opa noch heute, erzählte sie.

Und warum es in den alten Weisen so oft um die Schäferinnen geht, darüber macht sich Elina eigene Gedanken: Sie sei das Urbild der freien Frau, und sie grüße damit alle heutigen Schäferinnen.

Eine Schäferin des Jazz ist Elina Duni. Wenn sie ihre weiche Sprache verlässt und Silben einfach zum Improvisieren verwendet, dann kann man das oft gar nicht unterscheiden.

Die Übergänge sind fließend an diesem Abend: zwischen Tradition und Moderne, Europa und Orient, Jazz und Folklore. Und eine Wärme und Sinnlichkeit liegt in der Luft, von der sich Deutschland eine Scheibe abschneiden kann.

Wenn sie nicht singt und ihre Musiker dran sind, tanzt Elina mit geschlossenen Augen. Auch aus der Nachbarschaft, aus dem Kosovo, Griechenland und Bulgarien erklingt Musik.

Mit Papier-Servietten geheimnisvoll gedämpft erlingen die Schlagzeug-Toms. Dies nur ein Beispiel dafür, wie sensibel der Drummer der Stimme Raum lässt, nie losprügelt. Das gleiche Kompliment kann man dem Pianisten machen.

Da ist kein Ton zuviel. Und der Unterbau des Bassisten sitzt perfekt. Nie werden billige Balkan-Klischees strapaziert. Fazit: Ein musikalischer Glücksfall, wie er sich selten fügt. Eine kühne Traumbrücke zwischen Zeiten und Kulturen.

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