"Zunehmende Radikalisierung"
Kempten: Stadträte Thomas Senftleben und Christian Kaser treten aus der AfD aus

Die Kemptener Stadträte Christian Kaser (links) und sein Ehemann Thomas Senftleben (rechts) haben die AfD mit sofortiger Wirkung verlassen.
  • Die Kemptener Stadträte Christian Kaser (links) und sein Ehemann Thomas Senftleben (rechts) haben die AfD mit sofortiger Wirkung verlassen.
  • Foto: Fotos: Ralf Lienert
  • hochgeladen von Fabian Mayr

Der Kemptener Stadtrat Thomas Senftleben hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass er mit sofortiger Wirkung aus der AfD austritt. Mit ihm verlässt auch Ehemann und Stadtrat Christian Kaser die Alternative für Deutschland. Senftleben war Vorsitzender im Ortsverband Kempten und Kreisverband Oberallgäu-Kempten der AfD. Auch diese Ämter legte er mit sofortiger Wirkung nieder. 

Grund für den Austritt sei unter anderem die Gefahr der zunehmenden Radikalisierung. Auch das Gerichtsurteil vom Verwaltungsgericht Köln habe eine Rolle gespielt. Senftleben und sein Ehemann Kaser bleiben weiter Mitglieder des Kemptener Stadtrats.

Die Erklärung im Wortlaut

Ich lege am heutigen Tag meinen Vorsitz im Ortsverband Kempten und Kreisverband Oberallgäu-Kempten der Alternative für Deutschland (AfD) nieder und erkläre zugleich meinen Austritt aus der Partei. Gemeinsam mit mir tritt auch mein Ehemann Stadtrat Christian Kaser mit sofortiger Wirkung aus der Partei aus. Dieser Schritt erfolgt nach sehr langer und sehr reiflicher Überlegung und in der sicheren Gewissheit, dass er notwendig und richtig ist.

Ich habe immer für ein politisches Handeln mit Maß und Mitte geworben und gekämpft, und ich werde das in meiner politischen Arbeit als Stadtrat auch weiterhin tun.
Der letzte Parteitag in Greding 2021 hat die Gefahren einer zunehmenden Radikalisierung gezeigt, hier wurde sogar auf offener Bühne verkündet, dass es den „Flügel“ noch gibt. Der Parteitag zeigte, wie stark in Bayern der „Flügel“ agiert.

Eine dringend notwendige Disziplinierung und Professionalisierung der Partei habe ich stets in meinem Kreisverband angemahnt, damit die Partei schrittweise in die Übernahme von kommunaler Gestaltungsverantwortung hineinwachsen kann. Mein Ziel in den Landtag einzuziehen kann ich aus genau diesen Gründen nicht verfolgen, daher werde ich auch als Kandidat nicht zur Verfügung stehen.

Heute, Anfang März 2022, nach einem Jahr geduldigen Werbens und intensiven Kämpfens für einen strikt vernunftgeleiteten, konservativen und maßvollen Kurs der Partei, besteht für uns kein Zweifel mehr, dass wir mit diesem Ansinnen in der Breite der Partei in Bayern und kommunal nicht durchdringen konnten und dies auch in Zukunft nicht zu erwarten ist.
Große Teile der Partei und mit ihr etliche ihrer führenden Vertreter haben sich für einen immer radikaleren, nicht nur sprachlich enthemmten Kurs, für politische Positionen und verbale Entgleisungen entschieden, die die Partei in vollständige Isolation und immer weiter an den politischen Rand treiben.

Wir beide können und werden diesen Kurs aus Selbstachtung und Verantwortungsbewusstsein nicht weiter mittragen und ziehen daraus die unvermeidliche Konsequenz des Parteiaustritts.
All jene, die sich gemeinsam mit mir, vor allem unser Kreisverband Oberallgäu-Kempten, für einen strikt vernunftgeleiteten und stets gemäßigten Kurs der Partei eingesetzt haben, bitte ich aus ganzem Herzen um Verständnis. Das Gerichtsurteil vom Verwaltungsgericht Köln hat dies nur noch unterstrichen.

Unser Stadtratsmandat in Kempten, in das wir im Jahr 2020 gewählt wurden, werden wir selbstverständlich auch weiterhin wahrnehmen und unser Engagement für die Stadt Kempten fortsetzen. Wir werden unseren Wählern weiterhin in ihren Anliegen zur Seite stehen.»

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ