Planung
Kempten soll zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge in Schwaben werden

In Kempten wird eine der größten Erstaufnahmeeinrichtungen Schwabens für Flüchtlinge entstehen. Bis zu 1.000 Menschen sollen auf dem südlichen Teil der Kemptener Artilleriekaserne Platz finden. Kempten wird eine Filiale der zentralen schwäbischen Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth.

Dort werden in der Alfred-Delp-Kaserne bis Ende 2019 etwa 1.000 Plätze für Flüchtlinge vorgehalten. Doch die Stadt Donauwörth hat großes Interesse an dem Kasernenareal, um es städtebaulich zu entwickeln, sagt Karl-Heinz Meyer, Sprecher der Regierung von Schwaben, die zuständig ist für Flüchtlinge.

Wohl auch darum wurde Kempten als weiterer großer Standort ausgewählt. Die Regierung von Schwaben hat nun das Staatliche Bauamt Kempten mit den Planungsarbeiten beauftragt, wie dessen Hochbauchefin Cornelia Bodenstab bestätigt.

Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle ist nicht unbedingt begeistert davon, dass seine Stadt eine derart große Erstaufnahmeeinrichtung bekommt. Er habe aber zumindest eine Obergrenze von 1.000 Plätzen durchsetzen können. 'Nach ersten Vorstellungen in München hätten es auch 3.000 bis 5.000 Plätze in der Kemptener Erstaufnahmeeinrichtung sein können', sagt er.

Keinen Einfluss

Kiechle verweist auf ein Gespräch, das er mit der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller vor Monaten in München geführt habe. Diese habe Kempten im Visier gehabt, weil dort mit der Kaserne eine große Liegenschaft vorhanden ist, die der Bund dem Freistaat mietfrei für Flüchtlingsunterkünfte überlassen wolle – um Kosten zu senken. 'Wir hatten ja keinen Einfluss, weil uns das Areal nicht gehört', sagt Kiechle.

Er habe Müller mit städtebaulichen Argumenten davon überzeugen können, dass nur vier der 16 Hektar der Kaserne für die Erstaufnahmeeinrichtung verwendet werden. Die restlichen zwölf Hektar sind Konversionsfläche, die beispielsweise für Wohnbebauung oder Gewerbe genutzt werden soll.

Kiechle habe mit Ministerin Müller ausgemacht, dass Kempten maximal 1.000 Flüchtlinge beherbergen müsse – egal, ob sie nun zur Erstaufnahme kommen oder im Zuge des Asylverfahrens länger in der Stadt bleiben werden. Die Zahlen seien natürlich Schwankungen unterworfen. Die Vereinbarung der Ministerin mit der Stadt Kempten gilt – schriftlich fixiert – bis 2026.

Vier bis sechs Monate werde nun das Staatliche Bauamt mit den Planungen für die Erstaufnahmeeinrichtung brauchen, vermutet Cornelia Bodenstab. Insgesamt geht es um acht Gebäude, die umgestaltet werden müssen. Wie teuer das Ganze wird, sei derzeit seriös nicht zu schätzen, sagt Bodenstab. Nun werde zunächst der genaue Flächenbedarf ermittelt. Wann die Einrichtung konkret ihre Pforten öffnen könne, wisse sie auch nicht.

Bleibt noch die Frage, ob nun die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth nach 2019 geschlossen und quasi nach Kempten übertragen wird? Darüber gebe es noch keine Entscheidung, sagt Regierungssprecher Meyer. Fakt sei lediglich, dass es eine Vereinbarung für Donauwörth gibt, die Ende 2019 ausläuft. Kempten ist bisher nur als Dependance von Donauwörth vorgesehen.

Mehrere Szenarien sind somit denkbar: In Donauwörth bleibt alles, wie es ist, und die Aufnahmeeinrichtung in Kempten wird zusätzlich geschaffen. Oder Donauwörth wird verkleinert – vielleicht gar bis zu einer reinen Verwaltung ohne eigene Flüchtlinge. Oder Donauwörth wird ganz geschlossen und die Zentrale woanders hin verlagert.

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