Memmingen
«Keine Besatzer, sondern Helfer»

2Bilder

«Das neue Afghanistan-Konzept der Bundesregierung ist in Ordnung»: Das sagt der frühere Kommodore des Jagdbombergeschwaders in Memmingerberg, Oberst Heinrich Schneider. Wie berichtet, sollen unter Umständen bis zu 850 zusätzliche Bundeswehr-Soldaten die Ausbildung einheimischer Kräfte in Afghanistan verstärken. Dadurch könnte ab 2011 ein schrittweiser Abzug der deutschen Truppen möglich werden.

«Die Aufstockung der Truppen eröffnet Zukunftsperspektiven», meint Schneider, der mittlerweile beim Alliierten Kommando der Luftstreitkräfte in Ramstein tätig ist. Denn durch die Unterstützung zusätzlicher Soldaten könnten immer mehr Aufgaben auf die Afghanen übertragen werden. «Und das eben so lange, bis Afghanistan in die Selbstständigkeit entlassen werden kann», betont der frühere Kommodore.

Dem Ziel der afghanischen Regierung, vom Jahr 2014 an selbst für die Sicherheit in ihrem Land sorgen zu können, steht Schneider aber skeptisch gegenüber. «Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Bildungsstand in diesem Land nicht sehr hoch ist. Auch Führungs- und Ordnungsstruktur kennen viele nicht.»

Deshalb sei es wichtig, dass Schulen gebaut werden, in denen die Jugendlichen auf einen bestimmten Bildungsstand gebracht werden. «Dabei müssen die Soldaten helfen», sagt der frühere Kommodore. Und diese Unterstützung innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft müsste noch länger als bis 2014 gewährleistet sein. Denn obwohl laut Schneider bisher in Afghanistan schon viel erreicht worden ist, hänge der Abzug der Truppen vom Hindukusch davon ab, inwieweit die geplanten Zivilprogramme Fuß fassen. «Wir müssen eine Bevölkerung heranziehen, die unser Wertesystem annimmt und umsetzt», betont Schneider. Besonders Kompromissfähigkeit und Gleichberechtigung müssten dabei gefördert werden.

Ob das Risiko für die deutschen Soldaten in Afghanistan in Zukunft größer wird, kann Schneider nicht sagen. «Es kann sein, muss aber nicht. Denn die Soldaten treten dort nicht als Besatzer auf, sondern als Helfer.»

«Ausbildung ist immer gut»

Auch weitere Polizisten könnten nach dem neuen Konzept der Regierung nach Afghanistan geschickt werden, um bei der Ausbildung der dortigen Beamten zu helfen. «Das ist auf jeden Fall eine gute Sache», sagt Schneider. Aber anders als ein Soldat kann ein Polizist nicht nach Afghanistan abkommandiert werden - er muss sich freiwillig melden. Und das haben in den vergangenen Jahren im Durchschnitt lediglich 40 Polizisten pro Jahr getan.

Schneider betont in diesem Zusammenhang: «Deshalb hoffe ich, dass es politisch konsequent verfolgt wird, dass Beamte nach Afghanistan gehen, um dort Polizisten auszubilden.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019