Volkszählung
Kein Widerstand gegen die Volksbefragung

Eigentlich hat er sich die Fragen wesentlich privater vorgestellt. Sowieso überrascht ihn, dass die Leute so aufgeschlossen sind: Hans Peter Titze ist Interviewer für den Zensus 2011. Er geht derzeit fast täglich in Kaufbeurer Haushalte und befragt die Bewohner beispielsweise nach Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder Migrationshintergrund. Mit Erfolg, denn bislang waren laut Titze die Befragten äußerst umgänglich und sehr freundlich.

Der 57-jährige Pensionär hat insgesamt 111 Personen aus Kaufbeuren zugeteilt bekommen. In einem Schreiben hat er ihnen einen Termin für die gemeinsame Beantwortung des Fragebogens vorgeschlagen. Rund 70 Menschen hat er mittlerweile besucht und bisher seien alle vollkommen zugänglich gewesen. << Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass viele mich erst gar nicht herein bitten und den Fragebogen lieber selbst ausfüllen. Aber bisher war das nie der Fall und nur ein Mal musste ich meinen Zensusausweis vorzeigen >>, erzählt Titze, der schon vor 20 Jahren für Befragungen unterwegs war.

Seine Devise: nicht streng befragen, sondern locker unterhalten. Mit Hemd oder Polo-Shirt und gewöhnlicher Hose kommt der Pensionär pünktlich zum vereinbarten Termin. << Ich brauche weder Anzug noch Krawatte. Bei den Leuten, die ich befrage, schaffe ich eine viel ungezwungenere Atmosphäre, wenn ich in Alltagskleidung komme.

Das ist nicht so förmlich und offiziell, die Menschen vertrauen mir. >>

Nur wenig Zeit

Oft sei die Befragung so ungezwungen, dass er auch Kaffee und Kuchen angeboten bekommt. Aber lange aufhalten könne er sich bei den Befragten eigentlich nicht: Pro Person plant der Interviewer nur rund zehn bis 15 Minuten ein. << Oft dauert die Befragung aber gar nur fünf Minuten, dann bleibt noch ein bisschen Zeit zum Reden >>, so Titze. Gerade ältere Leute würden sich gern mit ihm über Themen fernab der Befragung unterhalten. Obwohl jeder Interviewer einen kleinen Obolus für seine Arbeit bekommt, sei der Kontakt zu Menschen der eigentliche Grund, weshalb er sich für das Amt des Zensusbeauftragten beworben hat. Die kurioseste Begegnung ergab sich mit einer älteren Dame, die sich sehr gut auf den Termin vorbereitet hatte.

<< Sie hat gleich einen großen Stapel Unterlagen bereitgelegt: von der Geburtsurkunde bis zum Testament ihres verstorbenen Mannes. Doch so viele Informationen werden im Zensusfragebogen gar nicht verlangt. Da war sie total verblüfft >>, sagt Titze schmunzelnd.

Er selbst sei anfangs skeptisch gegenüber dem Zensus gewesen. Seiner Meinung nach ist eine statistische Befragung sehr wichtig, dennoch hätte die Befragung intensiver ausfallen können, um tiefer gehende Statistiken möglich machen zu können. << Im Bogen steht beispielsweise keine Frage zum Energiesparverhalten der Einwohner >>, sagt der 57-Jährige.

Obwohl der Abgabetermin der Bögen erst Ende Juli ist, kann Titze vielleicht schon bald seine gesammelten Unterlagen aus dem bislang abgesperrten Schrank nehmen und der Zensusstelle Kaufbeuren übergeben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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