Marktoberdorf / Ostallgäu
Kein warmer Händedruck

Fläschchen mit Desinfektionsmittel, Aufkleber in den Toiletten, die zum ordentlichen Händewaschen auffordern, sowie Plakate, die Kunden darauf hinweisen, dass es sich keineswegs um Unhöflichkeit handle, wenn ihnen Berufsberater nicht die Hand geben: So versucht die Agentur für Arbeit, ihre Mitarbeiter vor der Schweinegrippe zu schützen. Von Panik wegen des H1N1-Virus wollen die von uns befragten Ostallgäuer Betriebe und Behörden nichts wissen. Sie geben ihren Angestellten Hygienetipps an den Arbeitsplatz.

«Wir haben unsere hohen Hygienestandards noch verschärft», sagt Thomas Seibert, Biessenhofener Werksleiter beim Lebensmittel- und Babynahrungshersteller Nestlé. Personalhygiene werde häufiger als sonst geschult und Kantine und Toiletten, aber auch Türklinken und Handläufe an Treppen noch öfter desinfiziert. Außerdem habe Nestlé Besuchergruppen oder Lieferanten aus Gebieten, zum Beispiel in Spanien, die als «Schweinegrippeherde» gelten, abgesagt.

Zudem rät das Unternehmen seinen Mitarbeitern, bei Verdachtsmomenten wie Fieber zu Hause zu bleiben und den Arzt aufzusuchen. «Unser Betriebsarzt konsultiert dann den Hausarzt - auch um auszuschließen, dass der Erkrankte eine Gefahr für andere Mitarbeiter darstellt.

» Seibert hat den Eindruck, dass seine Mitarbeiter schneller zum Arzt gehen oder ein, zwei Tage zuhause bleiben als in den Jahren zuvor. «Durch die Berichterstattung über die Schweinegrippe sind sie sensibler. Aber das ist gut so», so Seibert.

Vorsicht beim «Kundenkontakt»

«Wir halten uns an die Hygienetipps des Robert-Koch-Instituts», erklärt Herbert Mühlegg, Pressesprecher der Arbeitsagentur Kempten. Weitergehende Empfehlungen wie zu Hause zu bleiben, spreche seine Behörde im Gegensatz zu Nestlé aber nicht aus. «Gerade Mitarbeiter mit viel Kundenkontakt sollten aber die Hygieneregeln beachten», sagt Mühlegg.

So wurden auch in der Geschäftsstelle der Arbeitsagentur in Marktoberdorf Fläschchen mit Händedesinfektionsmittel an die Mitarbeiter verteilt, erzählt stellvertretender Geschäftsstellenleiter Johann Osterried. Von einem erhöhten Krankenstand weiß er aber nichts zu berichten: Derzeit sei nur ein Mitarbeiter krank.

Einen Anstieg beim Krankenstand verzeichnet auch die Personabteilung von AGCO/Fendt in Marktoberdorf nicht. «Aber wir haben seit September an allen Waschstellen Desinfektionsmittel bereitgestellt», berichtet Pressesprecher Sepp Nuscheler. Zudem gebe Fendt in Absprache mit dem Werksarzt einfache Hygienehinweise wie «Anhusten vermeiden» oder sich ordentlich die Hände zu waschen.

Solche Ratschläge geben auch die Günzacher Papierfabrik Technocell und das Landratsamt ihren Mitarbeitern. Eine Grippewelle gebe es bei Technocell nicht, sagt Michael Kah. Er habe nur von einer einzigen Grippekranken gehört. Hauptamtsleiter Manfred Huber vom Landratsamt spricht zwar von gefühlsmäßig mehr Erkrankungen als im Vorjahr, empfiehlt aber, den Ball flachzuhalten: Dafür, etwa das Händeschütteln zu verbieten, gebe es auch zu Zeiten der Schweinegrippe keinen Anlass.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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