Kein «sterbender Schwan» auf dem Eis

Von Sandra Peter
| Oberstdorf Als Eiskunstläufer - zumal als Junge - braucht man vieles: Kraft, Eleganz und Disziplin gehören dazu - aber ein «dickes Fell» genauso. «In der Schule wurde ich schon von ein, zwei Kerlen gehänselt», erinnert sich Franz Streubel. Der 17-Jährige ist Eiskunstläufer beim EC Oberstdorf. Eiskunstlaufen, das sei doch irgendwie «schwul» und sowieso nur etwas für Mädchen, hieß es. «Die meisten aber fandens gut», sagt Franz heute. Und die, die ihn aufgezogen haben, hätten eh keine Ahnung von dem Sport gehabt. «Das ging zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus».

Bereits mit fünf Jahren schnürte Franz zum ersten Mal die Schlittschuhe. «Es hat von Anfang an Spaß gemacht, auf dem Eis zu stehen», erinnert er sich. Mit sieben Jahren gab es dann die ersten Wettkämpfe. Heute wohnt Franz im Skiinternat in Oberstdorf, steht zwei bis drei Stunden täglich auf dem Eis, trainiert dazu noch Ballett, Koordination und Schnellkraft, rund 17 Stunden in der Woche insgesamt.

Ein riesiger Zeitaufwand, den der gebürtige Berliner gerne aufbringt: «Es macht mir einfach Spaß, auf Musik zu laufen, und ich springe gern», sagt er. Am liebsten präsentiert er sein Programm zu Klavierstücken, Tangos, oder auch mal zu lustiger Musik wie aus den alten Filmen von Charlie Chaplin oder sogar zu Techno. Seine Spezialität: Der dreifache Lutz, Salchow und Rittberger.

Was bei Franz so leicht und mühelos aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Und die geht nicht immer verletzungsfrei von statten. «Im Juni 2007 habe ich mir das obere Sprunggelenk gebrochen», sagt der 17-Jährige. Das hat allerdings - trotz Röntgenuntersuchungen - ein halbes Jahr lang kein Arzt gemerkt. «Erst im Februar bin ich operiert worden, und jetzt ist wieder alles ok», erzählt Franz.

«Die meisten Jungen tanzen doch gerne»

Mit einem hatten seine Schulkameraden dennoch recht: Franz muss zugeben, dass viel mehr Mädchen Eiskunstlauf machen als Jungen. Im Internat in Oberstdorf ist er sogar der Einzige. «Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Jungs für Eiskunstlauf begeistern», meint er. «Die meisten Jungen tanzen doch gerne - also warum nicht auf dem Eis?»

Vor einem Jahr ist der 17-Jährige ins Allgäu gekommen, nachdem er in Berlin keine optimalen Trainingsbedingungen mehr vorgefunden hat. «Die Luft hier ist gut, aber ansonsten ist hier ja nichts los», findet Franz es manchmal «langweilig» in Oberstdorf. Er will sein Abitur hier machen und dann vielleicht zum Studieren nach München ziehen. Aber zunächst stehen die sportlichen Ziele im Vordergrund. Nachdem Franz vier Mal den zweiten Platz belegt hat, will er endlich mal Deutscher Meister werden, sich irgendwann für die Olympischen Spiele qualifizieren und dort unter den ersten Zehn landen.

Eiskunstläufer müssen sich auf dem Eis gut verkaufen können. Die Männer laufen mit mehr Kraft und Power, hat der Gymnasiast festgestellt, während die Mädchen eher weichere Bewegungen machen. Um bei aller Eleganz nicht feminin zu wirken, nimmt Franz außerdem lieber «männliche» Musik - «ich würde nicht gerade zum «Sterbenden Schwan» laufen», sagt er.

Dumme Sprüche muss sich der 17-Jährige heute jedenfalls nicht mehr anhören. Und auch die Mädels fänden sein Hobby «ganz normal».

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