Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Kempten / Biessenhofen
Kein soziales Feigenblatt

Sie ist eine Frau im besten Alter. Sie arbeitet beim Käse-Hersteller Edelweiss in Kempten an einer modernen Maschine. Dann die gesundheitliche Katastrophe: die Frau erleidet einen Schlaganfall, ist monatelang krank und seither zu 80 Prozent behindert. Eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz kommt nicht in Frage. Früher wäre es schwierig gewesen, die Frau im Betrieb sinnvoll weiter zu beschäftigen. Nicht so bei Edelweiss. Die Frau verrichtet heute verschiedene leichtere Arbeiten in allen Abteilungen, kann sich so ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und ist der Firma durchaus von Nutzen.

Weil vor zwei Jahren die Frau mit dem Schlaganfall nicht die einzige Person mit schweren gesundheitlichen Problemen bei Edelweiss war, überlegte sich die Werksleitung und der Betriebsrat was Neues: Sie gründeten ein «Service Team», um diese nicht mehr so leistungsfähigen Mitarbeiter weiterbeschäftigen zu können, wie Personal-Chef Thomas Schulz jetzt während eines Unternehmer-Workshops bei Nestlé in Biessenhofen (Ostallgäu) erläuterte. Zu diesem Workshop hatte das Regionalmanagement Schwaben eingeladen.

Um das «Service Team» auf die Beine zu stellen, war zuvor ein runder Tisch nötig, wie der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Krauspe zurückblickte: AOK, Rentenkasse, Werksleitung, Führungskräfte, Integrationsamt. Wichtig sei die Botschaft für die betroffenen Menschen gewesen: «Du sollst entlastet werden, nicht abgeschoben.»

Koordinator kümmert sich

Los geht es im Januar 2008. Von Anfang an kümmert sich bei Edelweiss Robert Bachmann als Koordinator um die Einsätze des «Service Teams». Zuerst sind es vier Kollegen im Team, später scheidet einer ganz aus, weil es gesundheitlich einfach nicht mehr geht. Die drei Kollegen übernehmen leichtere Arbeiten wie Geschirr spülen in der Küche, alte Akten vernichten, Serienbriefe eintüten und so weiter.

Natürlich verdienen die Mitglieder des Service-Teams nicht mehr so viel wie früher. Das wäre auch den voll Leistungsfähigen im Betrieb schwer zu vermitteln gewesen.

Andererseits zahlt auch der Betrieb nicht drauf: das «Service-Team» entlastet die Abteilungen von zeitraubenden leichteren Arbeiten, der Krankenstand der Mitglieder des «Service-Teams» ist deutlich gesunken und das Integrationsamt schießt pro Mitarbeiter 300 Euro im Monat zu.

«Das Ganze ist für uns kein soziales Feigenblatt», erklärt Personal-Chef Schulz. Und Betriebsrats-Vize Krauspe ergänzt: «Uns ging es um die Wertschätzung der Mitarbeiter im Service Team, um deren Motivation und auch deren soziale Absicherung.» Die jetzige Lösung sei allemal besser, als eine Kündigung aussprechen zu müssen.

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