Kein neuer Wohnort, keine neue Arbeit

Immenstadt/Sonthofen | raf | 'Eigentlich wäre alles ganz einfach', sagt Florian Becker. 'Die Arge bezahlt unseren Umzug, meine Mutter hätte wieder Arbeit und wir wären nicht mehr länger auf Unterstützung angewiesen.' Mit der 'Arge' meint der 20-jährige Immenstädter die 'Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung für Arbeitssuchende' in Sonthofen. Die gemeinsame Behörde von Arbeitsagentur und Landratsamt betreut arbeitslose Bürger, die auf Hartz IV angewiesen sind.

Vor einem knappen halben Jahr war Florian Becker mit seiner Mutter nach Immenstadt gezogen. Weil aus der zugesagten Beschäftigung im Städtle nichts wurde, beantragte die 48-jährige Hessin, die mit ihrem ebenfalls arbeitslosen Sohn in einer gemeinsamen Wohnung lebt, Grundsicherung. Zwischenzeitlich hatte Mutter Becker nach Schilderung von Filius Florian eine Anstellung im Kreis Garmisch-Partenkirchen in Aussicht. Doch die Arge lehnte die Übernahme der Umzugskosten ab - 'weshalb diese Chance wohl vertan ist', fürchtet Becker.

'Dabei hat man uns anfangs zugesagt, dass der Umzug unter bestimmten Voraussetzungen bezahlt wird', ärgert sich der 20-Jährige. Dementsprechend habe man alles vorbereitet - um dann im letzten Moment zu erfahren, dass die Kostenübernahme doch nicht möglich sei. Was Becker besonders wurmt: 'Für unsere Wohnung und den Lebensunterhalt muss die Arge auf lange Sicht deutlich mehr ausgeben, als der Umzug gekostet hätte. Das ist für uns nicht nachvollziehbar.'

Keine Behördenwillkür

Dass die Verlagerung von Mutter und Sohn nicht bezahlt wird, ist laut Arge-Geschäftsführer Günter Zeller weder Behördenwillkür noch fehlende Kooperationsbereitschaft, sondern Konsequenz der Gesetzeslage. 'Möglich ist eine Kostenübernahme nur, wenn am neuen Wohnort eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vorliegt', erläutert er. Ein Mini-Job, wie er hier in Aussicht stehe, reiche da nicht aus. Schließlich müssten die Umzugskosten in angemessenem Verhältnis zu künftigen Einsparungen stehen.

'Sobald wir den Nachweis einer entsprechenden Beschäftigung erhalten, steht dem Umzug nichts im Wege', betont er. Wobei die Familie von der Arge anfangs keine verbindliche Zusage erhalten habe, so Zeller. 'Es ging wohl vielmehr um die Frage, ob die Miete der neuen Wohnung angemessen ist.' Dass die Aufwendungen für die Beckers auf Dauer höher sein könnten als die Umzugskosten, glaubt der Arge-Geschäftsführer nicht. Noch dazu, wo Florian Becker auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen habe und sich ernsthaft um eine Beschäftigung bemühe, wie er selbst betont.

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