Marktoberdorf
Kein Geld für den Kurfürst

Der Abgang hatte etwas Theatralisches: Seinen Vornamen schreibt man mit Doppel-R, den Nachnamen mit «ue», machte der Autor und Regisseur Herrmann Rueth seinem Ärger in der Sitzung des Kulturausschusses Luft und verließ den Sitzungssaal. Die falsche Schreibung (Hermann Rüth) hätte er wohl eher akzeptiert, wenn die Stadträte sein Wunschprojekt genehmigt hätten. Rueth wollte nämlich - unter Federführung der Stadt - 2012 ein Historienspiel mit 200 Mitwirkenden auf die Beine stellen. Der Kulturausschuss lehnte mit fünf Nein- und zwei Ja-Stimmen ab: In finanziell angespannten Zeiten sei das finanzielle Risiko zu groß.

Gegenargumente aufgelistet

«Insgesamt wäre das eine interessante Geschichte», führte Bürgermeister Werner Himmer in die Beratung ein. Das Historienspiel sollte zum 200. Todestag von Kurfürst Clemens Wenzeslaus aufgeführt werden. Als Augsburger Bischof residierte der international agierende Staatsmann nach der Französischen Revolution häufiger im Oberdorfer Schloss und ist hier auch begraben. Kulturreferent Rupert Filser listete eine Reihe von Argumenten gegen das Theaterprojekt auf:

Rueth würde gerne im Schlosshof als Originalschauplatz inszenieren. Doch Vermessungsamt und Musikakademie wollten den Hof nicht für mehrere Wochen blockiert sehen.

In der Kalkulation Rueths mit 220000 Euro fehlten Ausgaben für eigenes Personal und Spielstätten. Hier kämen schnell 100000 Euro zusammen, stellte Himmer eine Zahl in den Raum.

Um die Kosten für das Spektakel wieder zu erwirtschaften, brauche man mindestens 15 Vorstellungen mit je 1000 Besuchern. Der durchschnittliche Kartenerlös müsste bei 15 Euro liegen, die reguläre Karte somit 25 Euro kosten.

Anders als bei einem Stadtjubiläum sei der Kosten-Nutzen-Faktor für die Stadt geringer.

«Ich sehe Probleme durch die schwierige Haushaltlage», so Himmer. Da 2012 ohnehin Abstriche nötig seien, solle man nicht vorab ein hohes finanzielles Risiko eingehen.

Ein Ja-Aber zog sich durch die Wortmeldungen der Ausschussmitglieder: Das Historienspiel könne wirtschaftlich von großem Nutzen für die Stadt sein, aber die Kosten seien schwer absehbar, meinte Doris Rößle (FW) und sprach sich - ohne dies näher zu benennen - für eine «kleinere Lösung» aus.

Von einem Dilemma sprach Axel Maaß (Grüne): «Mein Herz schlägt für dieses Projekt», aber als «Finanzpolitiker» hob er die Hand für die Ablehnung des Vorhabens und plädierte für eine Sparlösung. Die Kosten-Nutzen-Rechnung erlaube es nicht, so viel Geld einzusetzen, sagte Ulrike Wieser (SPD). Sie sei von den Gedankenspielen Rueths begeistert, so Dr. Andrea Weinhart (FW): Im Allgäu seien Freiluftaufführungen aber schwierig, da es zwei Wochen Regen geben könne. Sie bezweifle zudem, dass alle Marktoberdorfer einen starken Bezug zu Clemens Wenzeslaus haben.

Mehr Pep für die Kultur

Fürsprecher waren Walter Schilhansl und Eugen Kögel (beide CSU). «Es geht um die Kunst- und Kulturstadt Marktoberdorf», so Schilhansl. Das Projekt sei geeignet, wieder mehr Pep in die Kultur zu bringen. Während andere Städte oft krampfhaft nach Anknüpfungspunkten für Historienspiele suchten, habe man hier die Chance für eine nachhaltig prägende Veranstaltung für Marktoberdorf. Das Risiko, so Schilhansl, sei überschaubar. Kögel verwies auf die Chancen: Marktoberdorf könne das Projekt werbewirksam einsetzen. (vit)

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