Kein Gebäck mit 100-Euro-Schein

Von Sylvia rustler | Memmingen Wer Falschgeld untergejubelt bekommt, 'hat den schwarzen Peter', sagt Hermann Häussler, Geschäftsführer einer Bäckerei in Memmingen. Ein Leser wollte Backwaren in einer Filiale des Geschäfts mit einem 100-Euro-Schein bezahlen, die Kassiererin nahm diesen jedoch nicht an. Gegen geltendes Währungsrecht hat die Frau damit laut Deutscher Bundesbank nicht verstoßen. 'Wenn es sich um eine Hochzeitstorte für 90 Euro gehandelt hätte, wäre es wegen der geringen Differenz allerdings was anderes', sagt Rechtsexpertin Dr. Annette Theisen.

Bei der Bäckerei galt nach Häusslers Worten bislang der Grundsatz, dass bei 'Beträgen im 2,40-Euro-Bereich' in der Regel keine größeren Scheine als 50-Euro-Banknoten akzeptiert werden. So oder so ähnlich halten es auch andere Memminger Geschäfte. Alles andere ist laut Häussler ein 'heißer Tanz', da der Einzelhändler im Fall der Fälle auf dem Schaden sitzen bleibe. Der Geschäftsführer kann davon ein Lied singen: 'Falschgeld ist immer wieder ein Thema. Im letzten Jahr wurden wir zweimal zum Opfer.' Die Bäckerei hat die 100-Euro-Regelung jetzt allerdings wieder 'gekippt', sagt Häussler. 'Es war uns nicht bewusst, dass sie bei Kunden für Unruhe sorgt. Wir haben kein Interesse an Konfrontation.'

Im Prinzip müssen Geschäfte, so Theisen von der Deutschen Bundesbank, alle Euro-Banknoten annehmen. 'Semmeln für drei Euro müssen mit einem Fünf-Euro-Schein bezahlt werden können.' Bei einem 'Missverhältnis' wie in dem geschilderten Fall, handle es sich allerdings um eine 'Kulanzsache'. Ebenso verhält es sich Theisen zufolge bei verschmutztem, eingerissenem und beschriebenem Geld. Die Bank tausche beschädigte Scheine nur um, 'wenn noch mehr als 50 Prozent vorhanden sind' und für Falschgeld bekämen Einzelhändler gar keinen Ersatz.

Strikter als bei Scheinen sind die Regeln laut Theisen beim von vielen Verkäufern ungeliebten Kleingeld. Hier seien pro Bezahlung nicht mehr als 50 Münzen erlaubt. Sprich: eine Breze für 50 Cent kann rein theoretisch gerade noch mit lauter Ein-Cent-Stücken bezahlt werden.

Auch Tankstellen verweigern immer wieder die Annahme von 500- und 200-Euro-Banknoten. In diesem Fall sei das allerdings nur in Ordnung, wenn der Betreiber mit Schildern darauf hinweise, so die Rechtsexpertin. Schließlich gehe es hier um größere Beträge. 'Da muss ich wissen, worauf ich mich einzustellen habe.' Auch Hermann Johann hat an seiner Tankstelle in Memmingen solche Schilder. 'Aber nicht aus Angst vor Falschgeld, sondern weil die Kasseneinlagen nicht so hoch versichert sind.'

Mechthild Feldmeier, Vorsitzende des Memminger Einzelhandelsverbands, versteht, dass Ladenbesitzer oft wenig Wechselgeld haben und bei kleinen Beträgen wie für Backwaren kein Risiko eingehen wollen. Sie plädiert aber dafür, dass die Geschäfte dann die Schilder-Lösung der Tankstellen übernehmen. So hätte man dem MZ-Leser die 'Peinlichkeit' ersparen können.

Der Hunderter ist in Deutschland einer der am häufigsten gefälschten Geldscheine. Noch öfter wird allerdings der Fünziger nachgemacht. Insgesamt verursachten 'Blüten' laut Bundesbank im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Euro Schaden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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