Gostyn / Unterallgäu
Kein Blick zurück im Zorn

Mit dem Überfall deutscher Truppen auf Polen vor 70 Jahren löste Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg aus. Er begründete sein militärisches Vorgehen damit, dass angeblich Polen den Sender Gleiwitz angegriffen hätte. Eine Lüge, wie sich später herausstellen sollte. Jurek Ptak aus Gostyn, dem polnischen Partnerkreis des Unterallgäus, schildert, wie die polnische Seite diese Tage erlebt hat. Es ist aber kein Blick zurück im Zorn. Er meint, dass Polen und Deutschland nun verpflichtet seien, für eine bessere Ordnung zu arbeiten und freut sich, dass er in Deutschland viele Freunde gefunden hat.

Der Krieg erreichte den Landkreis Gostyn am 6. September 1939. Schon in den Wochen und Monaten zuvor sei die Atmosphäre gespannt gewesen. Die deutsche Minderheit habe die deutsche Armee erwartet und dies auch öffentlich kundgetan, weswegen einige auch mit der Polizei in Konflikt kamen. Die größten Kämpfe gab es in der Gemeinde Poniec. 5000 Menschen aus dem Raum Gostyn wurden in ein Lager bei Warschau verschleppt. 300 Menschen davon gelten als vermisst. Es sei in der Region viel geraubt, geplündert und zerstört worden. Die Besetzung dauerte bis zum 27. Januar 1945, als die Rote Armee einmarschierte.

«Eine Folge des Zweiten Weltkrieges war auch», so Ptak, Abteilungsleiter und Mitglied des Landkreisvorstandes von Gostyn, weiter, «dass es nach dem Kriege keine deutsche Minderheit mehr in Gostyn gab.» Viele Deutsche verließen mit dem Rückzug der Wehrmacht die Region. «Die Jahre von 1940 bis 1945 waren für uns Polen eine schreckliche Zeit», so Ptak. «Wir dürfen diese Zeiten nicht vergessen», meint er und plädiert dafür, dass die Schulen in beiden Ländern sich dieses Themas annehmen.

Orden erhalten

Es sei erfreulich, dass sich auf beiden Seiten Menschen aller Generationen für eine Partnerschaft einsetzten.

So habe der deutsche Bundespräsident kürzlich dem 84-jährigen Marian Sobkowiak aus Gostyn einen Orden für seine Bemühungen um die deutsch-polnische Freundschaft überreichen lassen. Er selbst und seine Familie würden ebenfalls für dieses Ziel arbeiten. Vor 24 Jahren habe er im Zug von Danzig einen Berliner kennengelernt. Dieser habe ihm bei der Brotzeit Salz für die Tomaten geliehen und sie seien Freunde geworden. Die Schwester des Freundes aus dem Zug wurde Taufpatin seines jüngsten Sohnes, der heute 17 Jahre alt ist.

Auch im Unterallgäu hat Ptak Freunde gefunden, als er im Jahr 2000 für zehn Tage das Landratsamt besuchte, um die Verwaltung in Bayern zu studieren. Ein Jahr später gab es ein offizielles Treffen mit der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages zwischen den Landkreisen Gostyn und Unterallgäu.

Seitdem habe es einen regen Besuchsverkehr gegeben. «Es ist komisch, aber ich sage oft, ich möchte so viele Freunde in Polen haben, wie in Deutschland», erklärt Ptak.

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