Kaufbeuren / München
Kein Bedarf an einem Ostbahnhof

Derzeit macht der Ausbau der Bahnlinie von Kaufbeuren nach Buchloe des Öfteren Schlagzeilen. Das schafft doch Spielraum für neue Ideen, meint ein AZ-Leser: «Bei dieser Gelegenheit sollte überlegt werden, ob nicht die seit dem Jahre 1945 gewachsene Stadt» einen «Ostbahnhof» bekommen könnte, so der Mann.

Zumindest einen neuen Haltestopp könnte es geben - und zwar im Bereich Neugablonzer Straße am Bauhof. Dort gäbe es Busanschlüsse, Flächen für Parkplätze auf dem Bauhofgelände - und die Zeitverzögerung, die durch den weiteren Halt entstünde, werde durch die aktuelle Gleisrenovierung ausgeglichen, meint der Leser. Dann seien die Züge schließlich schneller unterwegs.

Bei der Stadt hat man sich mit derartigen Ideen noch nicht beschäftigt. «Stadtplanerisch hat sich die Frage nach einem zweiten Bahnhof noch nicht ergeben», erklärt Baureferatsleiter Ralf Baur. Die Stadt habe nämlich dafür noch keinen Bedarf feststellen können, da es keine Versorgungslücke im öffentlichen Verkehr gebe und dieser mit dem Landkreis akkurat abgeglichen sei. «Busse sind dabei auch viel flexibler», so Baur.

Die Deutsche Bahn müsse sich zwar Gedanken über die Abfahrtszeiten machen, weist aber auf die Verantwortung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hin, so eine Pressesprecherin.

Doch ein Kaufbeurer Begehren nach einem zweiten Bahnhof ist der Gesellschaft fremd. «Das kommt meistens von den Gemeinden und Städten. Wir prüfen dann die verkehrliche Sinnhaftigkeit», erläutert Markus Lang von der Abteilung Infrastruktur der BEG. Dabei wird ein komplettes neues Fahrplankonzept mit Taktung, Anschlusszügen oder Verbindungen zum Nahverkehr geprüft. Danach macht die BEG eine Kostenschätzung, wobei die mögliche Anzahl der Reisenden taxiert wird, zusätzliche Bahnsteige, Gleise, Gebäude, Straßen oder Parkplätze berechnet werden. Aber auch die Fahrzeitverlängerung durch den zusätzlichen Aufenthalt fließt ein.

Dann folgt ein weiteres Prüfungsverfahren. «Danach machen wir eine Kosten-Nutzen-Abwägung und befürworten einen Bahnhof oder nicht», so Lang. Und da die Kosten vom Bund getragen werden, müsste der danach auch seine Zustimmung geben. Das müsste für die Wertachstadt also erst einmal alles erfolgen.

Dabei hat Kaufbeuren als Eisenbahnknotenpunkt durchaus Tradition. Die Bahnlinie von Augsburg mit einem Kopfbahnhof in Kaufbeuren wurde 1847 fertiggestellt, nachdem zuvor eine Brücke über die Wertach gebaut worden war. Sieben Jahre später erhielt der Bahnhof ein dreistöckiges Empfangsgebäude. Als die Firma Dynamit AG noch Munition in Kaufbeuren-Hart herstellte, gab es ein Gleis in den Nordosten der Stadt - doch das ging mit der Munitionsfabrik unter.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg Neugablonz samt seiner Schmuckindustrie entstand, wurde der Güterverkehr zum Teil über den Pforzener Bahnhof abgewickelt, der allerdings schon lange stillgelegt ist. In den 1960er Jahren hatte Kaufbeuren seinen Höhepunkt als Eisenbahnstadt - zehn Gleisachsen befanden sich dort und bis 1978 war die Stadt Sitz einer Bahnmeisterei. Doch danach wurden das Gelände und das Personal - bis heute - abgebaut.

Und es sieht nicht so aus, als ob sich das ändern könnte: Derzeit gebe es viele Anträge auf neue Bahnhöfe. «Unsere Liste ist bis 2013 voll. Erst danach können wir neue Vorschläge prüfen», so Lang.

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