Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

"Arbeitsmarktpolitische Sackgasse"
Kaum noch Minijobs in Kempten - IG Bau schlägt Alarm!

Minijobber in der Gebäudereinigung: Die IG Bau fordert Reformen.
  • Minijobber in der Gebäudereinigung: Die IG Bau fordert Reformen.
  • Foto: IG Bau
  • hochgeladen von Holger Mock

Allein in Kempten sind im vergangenen Jahr 1.000 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse (sog. "Minijobs") weggefallen. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hin uns verweist auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach ist die Zahl der Minijobs innerhalb der letzten zwölf Monate um neun Prozent auf jetzt unter 10.000 gesunken.  

Politik soll Betroffene besser schützen

"Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben", kritisiert der schwäbische Bezirksvorsitzende der IG Bau Michael Jäger. Die Forderung der IG Bau Schwaben: "Lehren aus der Pandemie ziehen und Betroffene besser schützen". Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden, so die IG Bau in einer Mitteilung.

In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko, heißt es weiter. Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen in Kempten Ende vergangenen Jahres rund 170 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind 33 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche. 

Minijobs: eine "arbeitsmarktpolitische Sackgasse"?

"Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen", so Jäger. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie wirksam geschützt werden.

Anhebung auf 550 Euro: "der falsche Weg"

Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf 550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie einzudämmen, warnt die IG BAU.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit 870.000 Minijobs verloren gegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp 170.000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen.

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