Kaufbeuren/Ostallgäu
Kaufbeurer zahlen höchste Müllgebühren in Bayern

Räumlich trennt Kaufbeuren vom Landkreis Ostallgäu nur ein Steinwurf, bei den Müllgebühren sind es jedoch Welten: Die Ostallgäuer zahlen schwabenweit am wenigsten für ihren Abfall. Anders in Kaufbeuren: Hier müssen die Bürger die höchsten Müllgebühren Bayerns berappen. Das ergibt sich aus einem Vergleich des bayerischen Umweltministeriums.

Im Freistaat werden demnach durchschnittlich 165,40 Euro für das kleinste zulässige Bio- und Restmüllgefäß (40 Liter) erhoben. Ein Vierpersonenhaushalt im Ostallgäu bezahlt mit 106,80 Euro rund ein Drittel weniger als den bayerischen Durchschnittswert. Nur in acht Landkreisen Bayerns ist der Müll noch billiger. «Man kann es drehen und wenden wie man will, wir kommen von unserem Spitzenplatz nicht weg», betonte unlängst erfreut Landrat Johann Fleschhut im Kreisentwicklungsausschuss. Hochgerechnet auf eine 60-Liter-Tonne Restmüll- und eine 40-Liter-Bio-Tonne kommt ein Jahreswert von 123,60 Euro heraus - immer noch schwabenweit am billigsten.

Zum Sparen verpflichtet

In Kaufbeuren ergibt sich für einen Vierpersonenhaushalt eine jährliche Gebühr von 340,80 Euro - mehr als dreimal so viel wie im Ostallgäu. Das bedeutet im bayernweiten Vergleich den Spitzenplatz, selbst die Nummer zwei liegt deutlich unter 300 Euro. Die 340,80 Euro gelten zudem nur bei Unterzeichnung einer «Sparerklärung» - sonst wird es mit 410,40 Euro noch teurer. Bei der Erklärung, die nach Verwaltungsangaben von rund 48 Prozent der veranlagten Personen abgegeben wurde, verpflichtet sich der Haushalt, maximal zehn Liter Müll pro Person und Woche abzugeben. In Kaufbeuren fasst die kleinstmögliche Tonne 60 Liter, die Gebühren werden pro Kopf erhoben.

Thomas Püschel vom zuständigen Steueramt kennt die Zahlen, will das Stigma des Bayern-Rekords aber so nicht akzeptieren: «Man kann die Regionen nicht einfach vergleichen.» Die Leistungen seien unterschiedlich (siehe Infografik). Tatsächlich ist es bei den Müllgebühren ein wenig so wie bei den oft bemühten Äpfeln und Birnen. So werden im Ostallgäu die Tonnen 14-tägig geleert, in Kaufbeuren wöchentlich. Damit ist die Wertachstadt übrigens ein Exot im Freistaat, selbst in Großstädten wie Augsburg ist die 14-tägige Müllabholung längst Usus. Die Bürger stört es nicht: «Das wird bei uns von niemandem kritisiert», berichtet Abfallwirtschaftler Klaus Rosenthal vom Landratsamt Ostallgäu.

Püschel verweist bei seiner Erklärung auf die zusätzlichen Kosten, die Kaufbeuren habe: etwa die für die alte Deponie an der B16 oder die für den Transport und die Verbrennung des Restmülls außerhalb der Stadtgrenzen. Eine Deponie und Sondermüllentsorgung etwa gibt es auch im Ostallgäu. Und auch die Ostallgäuer müssen ihren Müll zum Verbrennen hinausfahren. Wo liegt also der Unterschied?

Ein wichtiger Grund: Die Deponie in Oberostendorf ist laut Rosenthal komplett abgeschrieben, die Betriebskosten werden aus Rücklagen bezahlt. Davon kann Kaufbeuren nur träumen: Der Gesetzgeber habe die Laufzeit für die Deponie so stark verkürzt, dass die Stadt keine Rücklagen habe bilden können, so Umweltreferent Ralf Baur. «Das muss auf die Gebühren umgelegt werden.» Die Kosten für die Schließung und die Rekultivierung des Areals würden die Bürger noch auf Jahre belasten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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