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Kaufbeurer Stadtpfarrer Thomas Kuile wäre laut Inschrift 674 Jahre alt geworden

'Beim Spaziergang durch das Kaufbeurer Baumgärtle stieß ich auf ein sensationelles Hinweisschild an einer Hauswand: Ein früherer Stadtpfarrer erreichte das biblische Alter von fast 700 Jahren', berichtet ein AZ-Leser schmunzelnd. Auf der Tafel steht, dass Thomas Kuile im Jahr 1058 geboren wurde und 1734 starb. 'Er wurde sagenhafte 676 Jahre alt. War damals noch möglich?', frägt sich auch ein Nutzer eines Internetportals.

Natürlich sei das auch früher nicht möglich gewesen, erklärt das katholische Pfarramt. Denn Kuile habe tatsächlich von 1658 bis 1734 gelebt. Die Panne mit der Inschrift passierte im vergangenen Herbst, als das Haus und die Tafel im Baumgarten renoviert wurden, erklärt Stadtpfarrer Thomas Renftle.

Bürger hätten die Pfarrgemeinde darauf hingewiesen. Doch die katholische Pfarrpfründestiftung sei zwar Besitzer des Hauses, habe es aber vermietet. Deshalb habe sie den Fehler an die Hausverwaltung weitergegeben. Dieser obliege es nun, ihn beheben zu lassen, so Renftle weiter.

Kuile hätte vielleicht gesagt: 'Darum kümmere ich mich.' Diese Worte legt ihm zumindest Franz-Josef Körner in seinem Roman 'Sophies Labyrinth' in den Mund, als der Stadtpfarrer darauf dringt, Schwester Crescentia nicht der Ketzerei anzuklagen.

Denn Kuile war ein Mann der Tat: Er wurde in Frankenhofen geboren und war nach Schule und Studium als Dekan und Visitator unter anderem für die Sanierung oder den Bau der Kirchen in Mauerstetten und Germaringen zuständig. Zudem wurde er, als er Pfarrer von Oberostendorf war, 1690 für die Stadtpfarreistelle St. Martin in Kaufbeuren vorgeschlagen. Doch die Stelle nahm er erst 1703 an und behielt sie bis zu seinem Todesjahr 1734.

Kuile ist vor allem als Sponsor für das einstige Gymnasium des Jesuitenkollegs im heutigen Pfarrhof bekannt. Die Jesuiten waren nämlich infolge des 30-jährigen Krieges auch in Kaufbeuren in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mussten nach 1648 ihre Schule schließen.

Erst die Verfügung über 8000 Gulden von Kuile hauchte der Institution wieder Leben ein: Von den Zinsen wurden zwei Patres als Lehrer bezahlt und die Schule 1714 wieder eröffnet. Kuiles gleichzeitig gestiftete kostbare Bibliothek wurde 1788 beim Brand des Pfarrhauses vernichtet.

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