Geschichte
Kaufbeurer Geschichtsblätter aus dem 18. Jahrhundert berichten vom Diakonatshändel

Anfang des 18. Jahrhunderts ging es in Kaufbeuren hoch her: 'Tumult mit Schießen und Steinwerfen' herrschte in der Reichsstadt, erzählte ein Zeitzeuge. Dabei handelte es sich aber keineswegs um eine bedeutende Auseinandersetzung, sondern um die Besetzung des evangelischen Dekanats. Zwar ist schon im Band II der Kaufbeurer Stadtgeschichte über die evangelische Gemeinde berichtet worden, doch Einiges ist aus Platzgründen nicht erschienen. Wie etwa die 'Diakonatshändel in Kaufbeuren 1719 bis 1721', über die Thomas Pfundner in den neuen Kaufbeurer Geschichtsblättern schreibt.

Die 'angespannte Lage in einer paritätischen Reichsstadt' und die 'Eifersucht zwischen den Konfessionen' seien Anlass für diesen Händel gewesen. Auslöser war die Neubesetzung eines Postens in der Stadt: Diakon Georg Gottfried Caspar war im April 1719 gestorben, Hoffnung auf dessen Nachfolge machte sich der Adjunkt Martin Angerer, ein Theologe im Schuldienst.

Doch dagegen wandte sich Pfarrer Johann Georg März. Denn der beim Volk beliebte Adjunkt hatte über des Pfarrers Lehren gelästert. Die sieben evangelischen Stadträte stellten daraufhin eine Liste mit fünf Kandidaten auf und wählten den Dornstädter Pfarrer Johann Hermann Muntscher als Nachfolger. Doch Angerer ging gegen die Wahl vor.

Die katholischen Ratsmitglieder verlangten, dass der gesamte Stadtrat wählen müsse. Nun bekam Angerer die Mehrheit. 'Damit war die Verwirrung perfekt', so Pfundner. Im August wurde Muntscher sogar als neuer Diakon vorgestellt, doch im November befahl der kaiserliche Reichshofrat, das Angerer einzusetzen sei.

Deshalb berichtete Johann Siegmund Heider, Rechtsbeistand der Reichsstadt, dass 1719 'Zerrüttung und Spaltung' vorherrschte. Der Chronist Wolfgang Ludwig Hörmann schreibt von 1721: 'Ehe aber alles zur Richtigkeit gekommen, setzte es in der Nacht noch einen Tumult mit Schießen, Steinwerfen und Steinschlagen.' Denn 1721 kam auf Drängen des Reichshofrates und durch Delegierte des Reichsstifts Kempten und der Reichsstadt Memmingen der Vergleich zustande.

Es wurde entschieden, dass Muntscher abgefunden und Angerer nach Memmingen versetzt wird, Diakonat und Adjunktur wurden derweil anderweitig besetzt.

Weitere Texte der neuen Geschichtsblätter befassen sich mit dem Oberbeurer Pfarrer Anton Britsch, dem Altar des Kaufbeurer Bildhauers Jörg Lederer in Latsch, den restaurierten Stiftertafeln in Irsee und der Geschichte der Frankenhofener Sternsinger.

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