Stadtmuseum
Kaufbeurer Geschichte auch für Sehbehinderte ertastbar machen

Wer baut, der muss an vieles denken. Das gilt umso mehr für ein Museum. Während die Bauarbeiten für das Kaufbeurer Stadtmuseum im Kaisergäßchen jetzt planmäßig voran gehen, zerbrechen sich die Leiterin Dr. Astrid Pellengahr und ihr Team nicht nur den Kopf darüber, welche Exponate wie am besten präsentiert werden können. Sie machen sich auch Gedanken, wie möglichst viele Menschen von einem künftigen Museumsbesuch profitieren können. Dazu gehören auch spezielle Anlaufstellen für Blinde und Sehbehinderte. Die Barrierefreiheit eines Museums zur Einhaltung der entsprechenden baulichen Vorgaben reiche eigentlich nicht. 'Man muss das bei der Gestaltung immer im Hinterkopf haben.'

So wurde zum Beispiel die Vitrine, in der künftig ein historisches Modell der Stadt Kaufbeuren gezeigt wird, so konzipiert, dass Rollstuhlfahrer mit ihren Beinen unter das Modell rollen können und so näher an das Exponat herankommen. Noch komplexer wird die Planung, wenn das Museum auch für Blinde und Sehbehinderte attraktiv sein soll. Für sie muss es spezielle Anlaufpunkte geben, an denen sie Ausstellungsstücke ertasten können.

Aber auch Wegbeschreibungen und Begleittexte in Blindenschrift müssen vorliegen. Selbst die Texte des Audioguides, eines elektronischen Führers durch die Ausstellung, müssten für Blinde anders konzipiert werden als für Sehende.

Um diese Dinge möglichst praxisnah zu gestalten, nahm Pellengahr schon vor einiger Zeit Kontakt mit dem Kaufbeurer Behindertenbeirat auf. Zusammen mit dessen blindem Mitglied Angelika Mann besuchte Pellengahr verschiedene Museen und bewertete die dortigen Angebote. Mann wirkte auch bei der Auswahl von Exponaten aus dem Depot des Stadtmuseums mit, die sich für Taststationen eignen.

Pellengahr plant, im neuen Museum rund 20 Anlaufstellen für Blinde und Sehbehinderte einzurichten. Dort wird es beispielsweise Klappen geben, hinter denen Ausstellungsstücke oder Repliken davon erfühlt werden können. Allerdings sind die zusätzlichen Kosten dafür nicht im Etat des Stadtmuseums enthalten. Deshalb entstand die Idee, mit einer speziellen Benefizaktion zur Finanzierung beizutragen.

Angelika Mann wirkte schon bei einem Abendessen für Sehende in absoluter Dunkelheit (No-Light-Dinner) in Mindelheim mit und schlug vor, eine solche Veranstaltung auch in Kaufbeuren anzubieten. Wie bereits kurz berichtet, nahm der hiesige Lions-Club die Idee auf und sorgte für die Organisation.

Unter der Beteiligung von zahlreichen blinden und sehenden Ehrenamtlichen wird es nun an fünf Abenden im Oktober ein solches Abendessen geben, das den Sehenden einen Eindruck davon vermittelt, wie Blinde ihren Alltag meistern.

Als Veranstaltungsort stellte die Stadt den Neuen Sitzungssaal im Rathaus zur Verfügung. Der hat eine Eigenschaft, die bei Stadtratssitzungen oft als belastend empfunden wird, ihn für diese Aktion aber ideal macht: Er ist fensterlos. Die Verpflegung übernehmen die Wertachtal-Werkstätten.

Termine der No-Light-Dinner: Samstag, 8. Oktober, Montag, 10. Oktober, Mittwoch, 12. Oktober, Freitag, 14. Oktober, und Samstag, 15. Oktober. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr. Pro Abend können maximal 24 Gäste teilnehmen. Veranstaltungsort ist der Neue Sitzungssaal des Rathauses Kaufbeuren, Kaiser-Max-Straße 1. Der Gesamtpreis für ein Abendessen inklusive Getränke beträgt 44 Euro pro Person und ist bei der Anmeldung zu entrichten. Diese ist beim Musikhaus Pianofactum in Kaufbeuren (Schmiedgasse 23), unter Telefon 08341/9611526 oder per Email möglich: dinner@lions-kaufbeuren.de

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