Gericht
Kaufbeurer Exhibitionist zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt

Wegen exhibitionistischer Handlungen in drei Fällen wurde ein 61-jähriger Kaufbeurer vor dem Amtsgericht zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe und 1 200 Euro Geldauflage verurteilt. Der einschlägig vorbestrafte Mann hatte sich zwischen dem Frühjahr 2010 und Sommer 2011 vor Mitarbeiterinnen von Supermärkten in Kaufbeuren, Marktoberdorf und Mindelheim mit äußerst knapper, kurzer Hose und entblößtem Geschlechtsteil präsentiert. Eine 19-jährige Kassiererin war derart schockiert, dass sie von ihrem Vater abgeholt und nach Hause gebracht werden musste. Die anderen Opfer hatten die Konfrontation mit dem Angeklagten zwar besser verkraftet – eine Zeugin sprach von einem 'Höhepunkt' für ihre beruflichen Memoiren –, waren sich aber darin einig, dass auch sie sich geekelt hatten.

Vier Anklagepunkte

In einem vierten Anklagepunkt (es ging um einen Vorfall in einem Neugablonzer Discounter) wurde das Verfahren eingestellt, weil im Fall einer Verurteilung die zu erwartende Strafe beim Gesamtstrafmaß nicht mehr entscheidend ins Gewicht gefallen wäre.

Der Angeklagte war vor Gericht zu allen Vorfällen geständig und hatte auch noch drei weitere Taten zugegeben, die in die Zuständigkeit des Amtsgerichts Memmingen fallen. Vermutlich wird dieses Verfahren im Hinblick auf das jetzige Urteil eingestellt.

Für seine Auftritte in den Supermärkten hatte der 61-Jährige eine bizarre Erklärung parat: Nach einer Venenoperation sei er, quasi auf ärztliche Veranlassung hin, um 'Kühlung' bemüht gewesen. Eine Argumentation, die dem Richter äußerst unglaubwürdig erschien.

Aus dem psychiatrischen Gutachten ging hervor, dass der Mann sich auch gegenüber dem Sachverständigen ähnlich geäußert hatte. Der Gutachter diagnostizierte beim Angeklagten einen Exhibitionismus, hielt den 61-Jährigen aber für uneingeschränkt schuldfähig.

Angesichts einer wenig erfolgreichen ambulanten Therapie, die dem Mann vor zehn Jahren wegen eines ähnlichen gelagerten Vorfalls zur Bewährungsauflage gemacht worden war, wollte der Richter vom Sachverständigen wissen, ob eine Therapie überhaupt etwas bringe. Der Facharzt bejahte dies zwar grundsätzlich, allerdings müsse sich der Angeklagte darauf auch einlassen. Dazu ist er laut seinem Verteidiger nunmehr bereit.

Keine Therapie-Auflage

Der Vorsitzende verhängte im Urteil zwar keine Therapie-Auflage, unterstellte den 61-Jährigen aber für drei Jahre der Aufsicht eines Bewährungshelfers. Dieser solle ihm helfen, seine Neigung 'als Krankheit zu begreifen und sich behandeln zu lassen'.

Direkt an den Angeklagten gewandt, machte der Richter deutlich, welche Perspektiven er ansonsten für ihn sehe: 'Ohne Therapie werden Sie früher oder später im Knast landen.' Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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