Kaufbeuren macht den Unterschied

Kaufbeuren | ofr | Der Stadtsaal ist ausverkauft. Das Publikum lacht und klatscht schon bei den ersten Nummern wie entfesselt. Die Frage, ob sie schon im vergangenen Jahr beim Fasnachts-Hoigata dabei waren, hätte man sich also ruhig sparen können. 'Wir kommen jedes Jahr', betont die Dame nebenan. Und alle anderen am Tisch nicken begeistert. Schon Wochen vorher haben sie sich ihre Karten besorgt. Keiner wollte sich das Gaudi-Spektakel im Stadtsaal entgehen lassen. Knapp vier Stunden später ist auch den letzten der rund 500 Faschingsfans im Saal klar, warum die schwungvolle und spaßige Dialekt-Revue so viele treue Stammgäste hat.

Dabei jammert der Ried Schorsch gleich zum Auftakt noch lauthals: 'Wie ma’s macht, es isch verkehrt.' Doch da dreht es sich nur ums Rauchverbot und die Landtagswahl. Denn beim Fasnachts-Hoigata des Mundartkreises Ostallgäu machen die Akteure alles richtig: Moderator Georg Ried und die Blasmusiker von 'Blechragu' genauso wie Hoigata-Gründer Werner Blind, die Jengener 'Maulquappen', das Germaringer Duo 'Walli und Frieda' und die beiden unverzichtbaren Mundart-Dichterinnen Johanna Hofbauer und Waltraud Mair. Musik, Gesang, Dialekt-G’stanzln: Ein spaßiger Höhepunkt jagt den anderen. Werner Blind wird als Nörgler im Pensionsalter im Italien-Urlaub von Haien umkreist und fällt beim Kapitänsdinner gehörig auf, weil er als einziger Lederhosen-Träger unterwegs ist. Johanna Hofbauer ersteigert im Internet einen Stier für 15 Euro, der auch prompt geliefert wird. Waltraud Mair hat Pech bei der Pflege des Nachbarhasen Gottfried ('der isch maushi') und Glück mit dem 'Fasnachts-Bieß', den verflixten Vampir-Zähnen aus Plastik, die ums Verrecken nicht mehr aus dem Mund herauswollen. Die Maulquappen bringen eine unerquickliche Seen-Rundreise hinter sich ('Kein König im Königssee, 'kein Hopfen im Hopfensee'), landen mit Bata Ilic im Dschungelcamp und finden auch dort heraus: 'Die Schwaben haben eigene Gaben'.

Lob vom Fasnachts-Fachmann

Das Duo Walli und Frieda (Marianne Wachter und Marlene Nieberle) kämpft dafür mit Pilzallergie und meistert den weihnachtlichen Geschenke-Marathon auf seine besondere Art und Weise. Ihren eigenen Stil haben auch die 'Blechragu-Musiker', die dem Abend mit traditionellen Landlern und mit Schlagern aus den 50ern ihre Note aufrücken.

Sein Terminkalender quillt über, doch den Fasnachts-Hoigata im Stadtsaal ließ sich Eugen Müller, Präsident des Bayerisch-Schwäbischen Fastnachtsverbandes, auch in diesem Jahr nicht entgehen. Was man hier in Kaufbeuren sieht, schwärmte Müller, das sei schwäbische Fasnachts-Tradition im besten Sinne: 'Hier werden keine fremden Nummern aufgeführt, hier kommt nichts Zugekauftes auf die Bühne. Das ist das Tolle an Kaufbeuren. Das macht den Unterschied'.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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