Reform
Katastrophaler Einschnitt - Bundeswehr Fliegerhorst Kaufbeuren wird aufgelöst

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Die Bundeswehrreform trifft Kaufbeuren und das Ostallgäu in aller Härte: Der Fliegerhorst wird aufgelöst. Es gibt nur noch einen Hoffnungsschimmer: Der Towersimulator könnte bleiben, wenn eine zivil-militärische Kooperation zustande kommt.

Interesse daran signalisierte bereits die Firma e.sigma. Sie möchte zusammen mit der Russischen Akademie der Wissenschaften Flugsicherheitspersonal für Russland in Kaufbeuren ausbilden. Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) kündigte gestern an, daran schnellstmöglich weiterzuarbeiten. Sollte das Vorhaben gelingen, könnten zumindest an die 100 Bundeswehrangehörigen bleiben. Freilich ein Tropfen auf den heißen Stein – angesichts von 1158 Beschäftigten im Fliegerhorst. Entsprechend schlecht war die Stimmung gestern.

Bosse sprach von einem 'katastrophalen Einschnitt für Kaufbeuren', das seinen größten Arbeitgeber verliert. CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke nannte als Hauptgrund der Schließung einen Investitionsbedarf von 100 Mio. Euro zur Sanierung der Luftwaffenschule TSLw1. Gefordert seien nun Bund und Freistaat. Bosse fordert als Ausgleich eine Fachhochschule für Kaufbeuren und die 'Stärkung der Behördenstruktur.'

Viele Ideen für die Zukunft

Zudem möchte Bosse den zwei Quadratkilometer großen Fliegerhorst schnellstmöglich in den Besitz der Stadt bekommen – auch wenn es noch keinen Zeitplan für den Abzug der Truppe gibt. So entstand schon eine Arbeitsgruppe, die sich um die sinnvolle Verwertung des Geländes kümmern soll. Schon heute, so Bosse, findet ein Gespräch mit einem 'Großinvestor Fotovoltaik' statt.

Und er hat noch viele weitere Ideen: Gewerbe- und Wohnflächen könnten entstehen. Dorthin verlagert werden könnten der Tänzelfestplatz, der Bauhof sowie Eis- und Fußballstadion mit dem Ziel, an deren Stelle innerorts Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

Fassungslos zeigten sich auch Soldaten und Zivilbeschäftigte gestern von der Nachricht, dass der Fliegerhorst aufgelöst werden soll. 'Das ist nicht zu glauben', meinte ein Unteroffizier erschüttert. Er und seine Kollegen seien sehr betroffen, so der 50-Jährige. Viele hätten mit einer Verkleinerung des Standortes gerechnet. 'Aber doch nicht mit einer kompletten Schließung.' Die Entscheidung treffe die Soldaten sehr – auch die Älteren. 'Viele sind seit 30 Jahren hier im Raum Kaufbeuren, die sind hier verwurzelt.' Und eine Zivilbeschäftigte meinte lapidar: 'Traurig. Das ist einfach nur traurig.' Der Fliegerhorst habe eine jahrzehntelange Tradition.

'Persönliche Härten abfedern'

Oberst Harald Burghardt, stellvertretender Kommandeur auf dem Fliegerhorst, fand deutliche Worte: 'Das ist kein guter Tag für uns', so der Offizier. Die Bestürzung in der Belegschaft sei groß gewesen. Die entscheidende Frage ist für viele vor allem, wo sie künftig ihren Dienst verrichten werden. Viele hätten ein Haus gebaut, seien in der Region gebunden. 1158 Menschen arbeiten fest auf dem Fliegerhorst – 517 Soldaten und 641 zivile Mitarbeiter. Nun gelte es, 'persönliche Härten' abzufedern. Ein Ziel sei etwa, dass vor allem die Zivilbeschäftigten an anderen Standorten in Schwaben eingesetzt werden können. Fraglich ist, ob das immer gelingen wird.

Zumal zur Technischen Schule der Luftwaffe auch noch ein 300-köpfiges Dienstleistungszentrum gehört, das Personal- und Liegenschaftsmanagement für Kaufbeuren sowie für die Standorte Füssen, Kempten und Sonthofen betreibt. 'Dieses Zentrum muss wohl verlagert werden.' Wohin, weiß Burghardt nicht. Ebenso fraglich ist die Zukunft der zivilen Ausbildungswerkstatt mit rund 100 Lehrlingen.

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