Comedy
Kaberettist Rolf Miller in Immenstadt

Die Namen Gerhard Polt und Helge Schneider hat Rolf Miller mal genannt, als er nach möglichen Vorbildern gefragt wurde. Dann hat er die Stirn in Falten gelegt und seine Antwort relativiert: «Na ja, Vorbilder sind eigentlich jene reale Menschen, die ich abbilde.»

Vermutlich hat in diesem Moment schon wieder der Kabarettist Miller gesprochen, der Komödiant, der Dinge auf der Bühne sagt oder besser: daher stottert, die er, der studierte Verwaltungswissenschaftler, garantiert im privaten Leben nicht äußert. Denn die Heimat von Rolf Millers Figuren ist der Stammtisch, die Phrasen, die sie dreschen, sind plump und platt. Und wenn es seinen Figuren gelingt, fünf Worte in der richtigen Reihenfolge zu setzen, dann ist das rekordverdächtig.

Rolf Miller, der Meister der abrupt abgebrochenen Sätze. Miller, der König der gedanklichen Brüche.

Der 43-Jährige, am 19. Januar zu Gast in Immenstadt, wo er den dortigen Kultursommer eröffnet, hat eine ganz eigene Comedy-Kunst entwickelt - die des Weglassens. In seinem Programm gibt es keine Sätze, die zu Ende gesprochen werden. Miller hört abrupt auf, er stammelt und stottert, er verknüpft einen Gedanken mit dem anderen. Anders ausgedrückt: Er versucht verbal, den Nippel durch die Lasche zu ziehen, bleibt dabei aber regelmäßig hängen. «Das ist eine individuelle Kunstsprache», erklärt er. «Ich habe das zu Hause ausprobiert, immer und immer wieder.»

Was auf der Bühne chaotisch und wirr wirkt, ist Kalkül und harte Knochenarbeit. Allein schon der von Rolf Miller gesprochene Dialekt ist eine Kunstform. Ein Mix aus Schwäbisch, Hessisch und Pfälzerisch. In Heidelberg, erzählt er, habe man mal für eine Radiosendung eine bürgerliche Figur gesucht, die einigermaßen den dortigen Dialekt trifft. Miller legte sich ins Zeug, färbte die Sprache nach eigenem Geschmack. «So ähnlich», sagt er, «sprechen die Leute im Odenwald, in der Mitte zwischen Würzburg und Heidelberg.»

Die Geburtsstunde eines Menschen, der mit seinen Ansichten über Gott und die Welt längst die großen Hallen füllt. Rolf Miller lässt ihn beinahe täglich parlieren, quer durch Deutschland und lediglich auf einem Stuhl lümmelnd.

Miller ist einer der gefragtesten Komödianten und anerkannt bei den Kollegen. «Er ist wunderbar indirekt und hinterhältig», urteilt Kabarett-Kollege Josef Hader über ihn, und Vicco von Bülow meint: «In Text und Darbietung ist er etwas ganz Besonderes». Kein schlechtes Lob vom großen Loriot

Karten für den Auftritt von Rolf Miller am Mittwoch, 19. Januar (20 Uhr), in der Mehrzweckhalle Maria Stern in Immenstadt unter der Telefonnummer: 08323/8628.

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