Interkultureller Herbst
Kabarettistin Lilia Tetslau nimmt in Kempten Integration aufs Korn

Wie viel Integrationsprojekte braucht es für Aussiedler und Ausländer? Vergisst man vor lauter Maßnahmen das Zusammenleben als Nachbarn, Arbeitskollegen, Familien? Mit charmantem Akzent und viel Feingefühl für die Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache zeigte die Kabarettistin Lilia Tetslau in Gestik und Mimik, mit Nudelholz und Revolver die Schwachpunkte der Integration auf: 'Je mehr ich verstehe, desto mehr fehlen mir die Worte.'

Als einzige Spätaussiedlerin auf Deutschlands Kabarettbühnen gastierte sie im Rahmen des Interkulturellen Herbstes im Treffpunkt im Oberösch in Kempten mit dem Programm "Deutsch aber nicht ganz".

Dabei integriert Tetslau ihre Zuhörer ins Programm, fordert beispielsweise von ihnen Antworten zum Aussiedler-Fragenkatalog. Vorurteile über Deutsche und Deutschstämmige verpackt sie ironisch, hintergründig und humorvoll zugleich. Beiden Seiten hält sie den Spiegel vor.

Die deutsche Bürokratie bekommt genauso ihr Fett weg, wie die russische Wodka-Leidenschaft. Sie nimmt den Tierschutz aufs Korn ('Ja ich bin für Tierschutz, aber auch für Menschenschutz.') und schildert das Zusammenleben in einem Wohnhaus, wo jeder mehr oder weniger für sich allein ist und man den Nachbarn nicht kennt.

Integrationsautomat als Lösung?

Schließlich meint Tetslau süffisant, dass eigentlich nur ein Integrationsautomat fehle. Auf der einen Seite gehe man als Aussiedler, Ausländer rein – auf der anderen Seite komme man als Deutscher raus. Wesentlich ernster ist dann ihre Bemerkung, dass Deutsche und Deutschstämmige sich anders wie noch vor zehn Jahren wieder weiter voneinander entfernten.

Begleitet wird die Kabarettistin bei ihrem Auftritt in Kempten von einem Forschungsteam, das Migration und Komik untersucht. Es analysiert die Beziehungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten in Deutschland.

Dabei geht es darum, wie mittels der komischen Genres die Kommunikation zwischen Migranten und Einheimischen hergestellt wird. Das Projekt läuft bis 2015.

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