Kaufbeuren
Junger Maestro zeigt höchste Musikalität

Moderatorin Bettina Groppa hatte nicht übertrieben: Maestro Andrea Fuoli ist tatsächlich ein «musikalisches Genie». Der erst 20-jährige Dirigent bewies mit seinem «Coro Genzianella» aus dem Trentino höchste Musikalität. Egal ob beim Volkslied, im Tangorhythmus oder Walzertakt, bei der fröhlichen Weise oder der dramatischen Ballade - Fuoli gestaltete jedes Stück voll Spannung und Perfektion. Die Zuhörer beim Neujahrskonzert des Kulturring Kaufbeuren im fast voll besetzten Stadtsaal waren begeistert.

Per Diashow erlebten die Zuhörer zur Einstimmung einen Adlerflug über das Trentino mit seinen majestätischen Bergen, heimeligen Dörfern und blühenden Wiesen. Dann nahm der gut 30-köpfige Männerchor das Publikum mit auf eine musikalische und geschichtliche Reise durch Norditalien und bewies, dass er im Sommer zurecht den großen internationalen Chorwettbewerb in St. Petersburg gewonnen hat. Die Sänger ließen Flößer den tosenden Piave hinunterfahren, nahmen an einer fröhlichen Weinlese teil und begleiteten die Alpini, die italienischen Gebirgsjäger, zum Monte Canino. Dabei folgten sie diszipliniert dem jungen Musikdirektor, ließen sich von ihm vom Pianissimo zum Fortissimo und zurück führen und begleiteten ihn sicher durch sämtliche Accelerandi und Rallentandi.

Hauchzart und tieftraurig

Perfekt gelangen Generalpausen und Einsätze im fröhlichen Liedchen «Se la te domanda», hauchzart und tieftraurig erklang als Kontrast «La casa» über einen einsamen Witwer. Ebenfalls aus der Feder von Bepi de Marzi stammt das ergreifende Gebet an den «Herren der Berge», das den kürzlich verstorbenen vier Bergrettern aus dem Trentino gewidmet ist.

Der Krieg war wie die Berge immer wieder Thema der Lieder. So besang der Chor voll Leidenschaft den Kampf der Königin Tresenga und lieferte mit der lediglich auf einer Silbe gesungenen Fanfare für den Monte Grappa, an dem rund 40000 Soldaten gefallen sind, eine Glanzleistung ab.

Den witzigen Gegenpart setzen Stücke, in denen täuschend echtes Hufgeklapper ertönte oder «I did it my way» so gekonnt auf italienisch erklang, dass Frank Sinatra seine Freude daran gehabt hätte. Den italienischen Auswanderern gewidmet ist der genial umgesetzte «Tango Trentino».

An den Schluss setzte Maestro Fuoli das Lied, das den 1961 gegründete Bergsteigerchor weltberühmt gemacht hat: «La Montanara». Die größte Freude hatte das Publikum jedoch an dem in Deutsch gesungenen «Bergvagabunden», das der Chor zum Abschied als dritte Zugabe noch einmal darbot und dafür stürmischen Applaus erntete.

Das i-Tüpfelchen beim gut zweistündigen Neujahrskonzert setzte Bettina Groppa, die mit Charme, Erzählkunst und Dramatik die einzelnen Stücke so erläuterte, dass sie auch ohne Italienischkenntnisse gut nachvollziehbar waren.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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