Rückholung mit dem Roten Kreuz
Junger Balderschwanger schwerstverletzt nach Deutschland transportiert

Symbolbild.
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Jedes Jahr holt das Deutsche Rote Kreuz rund 3.000 verunfallte oder erkrankte Personen per Krankentransportwagen oder Flieger zur (Weiter-)Behandlung aus dem Ausland zurück nach Deutschland. Einer, der den Rückholservice schon einmal in Anspruch nehmen musste, ist Florian Knebel. Der junge Balderschwanger erlitt vor vier Jahren in Südtirol bei einem Arbeitsunfall schwerste Gesichtsverletzungen.

An jenem Unglückstag im Juni 2016 arbeitete Florian Knebel bei einer Zimmerei im italienischen Südtirol. „Wir sind an diesem Tag in Kastelruth mit einem Dachstuhl fertig geworden. Vor Feierabend mussten wir per Kran noch ein paar Hübe Material vom Dach auf die Pritsche des Firmenwagens verladen. Darunter befand sich auch ein Paket Holz mit verschiedenen Querschnitten und Längen. Ich war auf der Pritsche, um die Ladungen entgegenzunehmen und abzuhängen. Da die Sonne mich blendete, konnte ich nicht erkennen, dass die Ladung bereits über mir schwebte. Als mein Arbeitskollege plötzlich schrie, schaute ich reflexartig nach oben. Irgendwie hatte sich eine Latte mit ca. 6x6x100 cm aus dem mehrfach zusammengebundenen Paket gelöst und fiel mir aus rund 15 Meter Höhe direkt ins Gesicht“, erinnert er sich. Bei dem verheerenden Unfall zog sich der damals 22-Jährige einen Trümmerbruch im Gesicht mit zertrümmerten Augenhöhlen und Nase sowie ein Schädel-Hirn- Trauma zu. Auch der Blutverlust war sehr stark. „Ich war bei vollem Bewusstsein und rief die Kollegen um Hilfe“, erzählt Florian Knebel weiter. „Nachdem die Rettung alarmiert und Erste Hilfe geleistet worden war, brachte mich ein Krankenwagen zum Helikopter, der mich nach Bozen ins Krankenhaus flog.“

Florian Knebel.

Nach der dortigen Notfallversorgung strebte seine Familie eine Rückholung des Sohnes in eine deutsche Klinik an. „Mein Vater wandte sich ans Rote Kreuz, um den Rückholtransport zu organisieren.“ Nach einer Woche war es soweit. „Ich wurde von zwei eigens aus Deutschland angereisten Sanitätern des BRK direkt in meinem Krankenzimmer abgeholt und mittels Rollstuhl in den bereitstehenden Krankentransporter gebracht. Dort wurde es mir so bequem wie möglich gemacht. Während der mehrstündigen Fahrt kümmerten sie sich ununterbrochen um mich und erkundigten sich immer wieder nach meinem Wohlbefinden.“ Die Sanitäter blieben bis ans Krankenbett im Klinikum Konstanz an Florian Knebels Seite. „Die beiden waren ausgesprochen nett und hilfsbereit. Ich war unglaublich froh, wieder zuhause und in einer Klinik zu sein, in der mir geholfen wird.“

Wenige Tage später wurden in einer großen OP Florian Knebels beide Augen wieder ausgerichtet und seine Augenhöhlen mithilfe diverser Platten und Schrauben im Oberkiefer-, Nasen- und Augenbereich künstlich nachgebildet. „Erst drei Tage nach der OP konnte ich wieder richtig sehen. Nach rund drei Wochen wurde ich entlassen“, berichtet er. „Den Ärzten ist es gelungen, mein Gesicht komplett wiederherzustellen – und das, ohne je ein Foto von mir gesehen zu haben. Nur eine kleine Narbe über der Nase und eine andere Nasenflügelform erinnert optisch an den Unfall. Damit kann ich sehr gut leben.“

Heute verspürt der mittlerweile 26-Jährige kaum noch Einschränkungen. „Zu viel Hitze oder Kälte bereiten mir allerdings Schmerzen im Gesicht und den Beruf als Zimmermann musste ich aufgeben. Ansonsten kann ich fast alles machen“, freut er sich. Lediglich einige Sportarten wie zum Beispiel Fußball seien nicht mehr möglich: „Das wäre für das Gesicht und die Platten darin zu gefährlich.“ Was gewesen wäre, wenn er nicht nach Deutschland zurückgeholt worden wäre, darüber kann er nur spekulieren. „Wäre ich in Italien geblieben, würde ich heute vermutlich nicht so gut sehen, riechen und atmen können. Insgesamt haben die Ärzte in Konstanz einen genialen Job gemacht.“

Seinen damaligen Helfern ist Florian Knebel bis heute dankbar. „Ich bin sehr froh und sehr dankbar, dass das BRK diese Rückholung organisiert und durchgeführt hat. Der Aufwand, der dafür betrieben wurde, mit dem ich selbst aber gar nichts zu tun hatte, war wirklich groß.“

Die Auslandsrückholung erfolgt über den DRK-Flugdienst. Je nach Sachlage wird dafür ein Krankentransportwagen oder ein Transport per Flugzeug oder auch zusätzliche ärztliche Betreuung direkt vor Ort organisiert. Leistungen des DRK-Flugdienstes und der BRK-Inlandsrückholung stehen allen Fördermitgliedern und ihren Angehörigen (Ehe-/ Lebenspartner und Kinder, wenn noch ein Kindergeldanspruch besteht), sowie ehrenamtlichen Helfern und Jugendrotkreuz-Mitgliedern zur Verfügung. Nähere Informationen gibt es unter www.brk.de/angebote/gesundheit/rueckholdienst/

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