Lindenberg
Junge Poesie in altem Gemäuer

Das bereits unter Denkmalschutz stehende Kesselhaus der früheren Hutfabrik Reich in Lindenberg beherbergte zwischen geschwärzten Mauern und vom Zahn der Zeit rostig gewordenen Röhren elf Vertreter einer jungen Poesie. Im Rahmen des Markterhebungs-Jubiläums war dort beim Poetry Slam, einer Art Dichterwettbewerb, das Publikum eingeladen, junge Poeten und deren Texte zu bewerten und einen Sieger zu küren.

Aus Lindenberg, Wangen, Stuttgart, Ulm, München, Regensburg und Heidelberg stammten die Dichterinnen und Dichter. Ihre Persönlichkeiten zeigten sich in den Themen ihrer Beiträge. Themen aus dem aktuellen gesellschaftlichen Leben, Kritik am Mitläufertum, Natur, Träume von Liebe und deren Erfüllung; aber auch die Resignation über den Verlust von Idealen klang an.

Keine Tabus, keine Formgesetze

Es gibt keine strengen Regeln in dieser Art der Poesie, keine Schranken, keine Tabus, auch keine Formgesetze. Die einzige Vorgabe ist: Ein Vortrag darf nicht länger als sieben Minuten dauern.

Und so schälten sich nach der ersten Runde vier Kandidaten für die Endauswahl heheraus: Thomas (aus Regensburg), in dessen poetischem Dasein die Mathematik das Sagen hat, Christina (aus Birkenau), die den Neologismuswahn und die Superlativsucht der Gesellschaft kritisierte, Pierre (aus Kirchheim/Teck), der «Stilblüten aus Wortbildern» zu pflücken pflegt, und Theresa (aus Heidelberg), die in ihrem existentialistisch anmutenden Text von sich sagte, sie werfe «keinen Schatten», denn sie stehe «zu nah an der Wand.»

Pierre und Theresa teilten sich am Ende nach dem Willen des Publikums den Sieg. Pierre hatte überzeugt mit seiner hoffnungsvollen Devise: «Du kannst die Welt verändern, wenn du nur willst».

Einen wunderschön-anrührenden Text über den Verlust der Kindheit hatte Theresa vorgetrgen, in dem sie sich wünschte, dass der Wind sie beim Drachensteigenlassen zusammen mit dem Drachen wegblase. Er mündet in der ernüchterten Frage: «Wie konnte ich aufgeben, wie ich die Welt mit meinen Augen sah?» Hier stand eine 18-Jährige mit der Weisheit einer 80-Jährigen. Kein Wunder, dass Werner Specht, der die Veranstaltung mit seinen Mundartliedern musikalisch umrahmte, sich vor die Schwierigkeit gestellt sah, das Publikum wieder ins Hier und Jetzt zurückzuholen.

Philipp Unsinn sorgte mit seiner gekonnt-witzigen Moderation dafür, dass die Zuhörer nicht zu sehr abhoben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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