Junge Liebe für alten Traktor

Altusried/Oberallgäu (lz). Selten in seinem 51-jährigen Leben hat der alte Traktor der Kiechles soviel Zuwendung erfahren wie heute. Seit Mitte Dezember nämlich treffen sich zehn Schüler der Hauptschule Altusried einmal wöchentlich in der Garage der Landwirtsfamilie in Altusried-Hörgers und schrauben, schmirgeln und polieren an dem alten zweizylindrigen Veteranen, was das Zeug hält. Die Jugendlichen nehmen am Projekt 'Porsche Junior' des Porsche-Diesel-Clubs Europa teil.

1957 hatte Bauer Josef Kiechle den Traktor des Herstellers Porsche gekauft, der seinerzeit als 'Volksschlepper' an Popularität mit dem legendären VW-Käfer mithalten konnte. Mit seinen 'Porsche Standard N 208 (25 PS/2-Zylinder) für 4200 Mark konnte er sich damals sehen lassen. Trotz immer besserer Technik und mehr Pferdestärken, die im Laufe der Jahre auf dem Kiechle-Hof einzogen, hatte der alte Schlepper in dem Altusrieder Weiler nie seine Daseinsberechtigung verloren und wurde noch bis vor wenigen Jahren für 'Nebentätigkeiten' eingesetzt.

Enkel Michael Kiechle (12) schließlich bekam den Oldtimer vom Opa zur Kommunion. Im vergangenen Jahr entschied sich die Familie, den Schlepper einer Verjüngungskur zu unterziehen. Zusammen mit der Volksschule Altusried beschloss man, sich am Projekt 'Porsche-Junior' des Porsche-Diesel-Clubs Deutschland teilzunehmen. 'Aus der Lethargie in die Kreativität' heißt das Motto dieser Aktion, das den Jugendlichen nicht nur die Funktionsweise von Kraftfahrzeug-Motoren nahebringen soll. Vor allem soll ein Abschlusszertifikat den Schülern bei der Bewerbung um eine Lehrstelle hilfreich sein.

Begeisterter Heimwerker

Der Porsche-Club mit Sitz in Bremen begleitet das Projekt ideell, liefert zum Beispiel Materialien und Infos und stellt abschließend die Zertifikate aus. Der Projektleiter vor Ort, Grundschullehrer Wolfgang Bartalis - selbst leidenschaftlicher Heimwerker - ist begeistert von der Sache: 'Die Schüler lernen den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen, machen Demontage-, Blech- und Motorarbeiten, die den Unterricht im gewerblich-technischen Bereich an Hauptschulen hervorragend ergänzen.' Alle Arbeitsschritte werden in Text und Bild in einer Mappe dokumentiert. Die jugendlichen 'Schrauber' haben sichtlich Spaß an der neuen Mittwochs-Nachmittagsbeschäftigung. Während Marc aus Altusried, der schon mehrere Betriebspraktika in Kfz-Werkstätten hinter sich hat und Kfz-Mechatroniker werden will, hauptsächlich auf das Zertifikat spekuliert, will Robert aus Walzlings mehr über die Funktionweise von Motoren lernen. Tamara aus Frauenzell macht aus purer Neugierde mit und findet das ganze 'ziemlich spannend'. Die Finger möchte sie sich aber nicht schmutzig machen und trägt weiße Gummihandschuhe.

Rund 300 bis 400 Arbeitstunden werden die Jugendlichen noch an dem alten Traktor schrauben, schleifen, schmirgeln und lackieren, bis dieser wieder, wie in alten Tagen, im Hochglanz erstrahlt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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