Aufstieg
Julia Jakob ist Bayerns erste und jüngste Werkstattleiterin bei der Deutschen Bahn

Etwas anderes kam für sie nie infrage. Julia Jakob wollte schon immer Karriere bei der Deutschen Bahn machen. Sie hat es geschafft. Jakob ist die erste Frau, die in Bayern eine Werkstatt des Konzerns leitet - und mit gerade mal 30 Jahren auch die Jüngste.

<< Ich bin aus Überzeugung Bahnerin, aber keine, die ihre Modelleisenbahn zuhause hat >>, beschreibt sie sich selbst. Dieser Eindruck bestätigt sich auch während eines Rundgangs durch ihre Werkstatt hinter dem Kemptener Bahnhof. Von der << Faszination für das komplexe System Bahn >> spricht Jakob zwischen den großen Dieselloks, an denen fast nur Männer arbeiten.

Technische Details spult sie runter, doch ihre Augen leuchten, wenn sie von logistischen Herausforderungen und Personalführung erzählt. Als sie in der Mitte der Halle steht, bedauert sie sogleich, dort nicht mehr Zeit verbringen zu können. << Wenn ich hier bin, dauert es keine fünf Minuten und die Leute kommen mit ihren Fragen und Problemen zu mir >>, sagt sie.

Geweckt wurde Jakobs Begeisterung für die Bahn bereits in frühen Jahren. Denn ihr Vater ist als Ingenieur mit der Instandhaltung des Schienennetzes beschäftigt. Auch beruflich ist Jakob mit und bei der Bahn groß geworden. Den Grundstein legte die Frau aus Friedberg im Gymnasium mit einer Facharbeit über die Bahn. << Dadurch hatte ich viel Fachwissen für meine Bewerbung >>, sagt sie.

Die lief gut, sodass Jakob ein duales Ingenieur-Studium antrat. Dazu gehörten Praxisphasen bei verschiedenen Sparten des Konzerns. << Durch die vielen Jahre in verschiedenen Werkstätten konnte ich mir nie vorstellen, woanders zu arbeiten >>, sagt Jakob. Zwischenzeitlich ist die Bahn wie eine Familie für sie. << Ich kenne überall Leute >>, sagt sie und holt zu einer Geste aus, die nicht nur ihre Werkstatt, sondern die ganze Bundesrepublik umfassen soll.

Noch etwas reizte Jakob von Anfang an: die Aufstiegsmöglichkeiten. Und tatsächlich habe sie mit jedem Standortwechsel einen großen Sprung gemacht. Anfangs, sagt die 30-Jährige, hätte sie noch Befürchtungen gehabt, << sich als Frau 150-prozentig beweisen zu müssen >>. Doch die haben sich im Lauf der Zeit zerschlagen. << Ich war immer von älteren Herren umgeben, die sich gefreut haben, dass jemand Junges nachkommt >>, sagt sie.

Ideal sei ihre erste Ingenieursstelle in München gewesen. Mit ihrem Werkstattleiter als Mentor habe sie viel über Personalführung gelernt. So viel, dass sie gerade mal zweieinhalb Jahre später das Angebot bekam, die Leitung über die Mannheimer Werkstatt mit 75 Mitarbeitern zu übernehmen. Auf eine Ausschreibung hin, bekam sie dann die Stelle in Kempten. Der genaue Titel: << Leiterin Flottenmanagement und Instandhaltung Allgäu-Schwaben >>.

Es gehört also mehr dazu, als die Werkstatt in Kempten zu leiten. Jakob ist für den Zustand aller Züge im Bereich zwischen Oberstdorf im Süden und Donauwörth im Norden sowie München im Osten und Ulm im Westen verantwortlich. Egal, ob sie in Kempten oder anderswo repariert werden.

<< Ich habe Karriere gemacht und bin zuhause >>, zieht Jakob Bilanz und lächelt. Auch wenn sie mittlerweile mit ihrem Freund in München wohnt und täglich nach Kempten pendelt - mit der Bahn versteht sich. So prüft sie ständig, ob die Züge in dem Zustand sind, den sie haben will.

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