Kempten
Jugendtreff Prinz Franz vor dem Ende

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Den Aussiedler-Jugendtreff Prinz Franz wird es bald nicht mehr geben. Das Integrations-Projekt läuft laut Stadtverwaltung zum Jahreswechsel aus. Die Gründe: Es werde nicht mehr gefördert und es gebe genügend Freizeit- und Beratungsangebote für Jugendliche. Die jungen Russlanddeutschen dagegen sehen sich ihres Treffpunkts beraubt. Sie befürchten, dass der Jugendmigrationsdienst (JMD), der im Prinz Franz arbeitet, in Zukunft weniger Anklang findet.

Seit zwei Jahren haben Bund und Land im Rahmen des Projekts «Soziale Stadt» je 30 Prozent der Projekt-Kosten getragen. Die restlichen 40 Prozent waren Sache der Stadt. «Die Förderung wird es in Zukunft aber nicht mehr geben», erläutert Jugendamtsleiter Matthias Haugg. Sie sei von Anfang an nur auf begrenzte Zeit ausgelegt gewesen. Dass mittlerweile wesentlich weniger Aussiedler nach Kempten kommen, habe die Entwicklung beschleunigt. Die beiden angestellten Beraterinnen verlieren ihre Arbeit jedoch nicht. Sie werden vom Träger, dem katholischen Jugendhilfswerk, an anderer Stelle eingesetzt.

Gut 30 Jugendliche gehen nach Angaben der 20-jährigen Lidia Paul regelmäßig ins Prinz Franz. «Die Stadt bedenkt nicht die Situation der Aussiedler, die schon in Kempten leben», kritisiert sie. Viele hätten - genau wie sie selbst - schon oft die Hilfe der Mitarbeiterinnen des Prinz Franz in Anspruch genommen. Sei es, um ihr Deutsch zu verbessern oder bei Formalitäten, wie Bewerbungen schreiben oder einen BAföG-Antrag stellen.

«Wenn wir hier zusammensitzen, können wir das nebenbei erledigen», sagt auch Jana (19). Die 24-jährige Tatjana befürchtet, dass sie solche Angelegenheiten in Zukunft nur noch bei einer terminlich ausgemachten Beratung in einem sterilen Büro erledigen können. «Die Beraterinnen und die Jugendlichen kennen sich hier», ergänzt der gleichaltrige Johannes. Ein solches Vertrauensverhältnis kann es seiner Meinung nach in Zukunft nicht mehr geben. Zudem mangle es an alternativen Treffpunkten.

Das sieht Thomas Baier-Regnery anders. Der Leiter des neuen Amts für Jugendarbeit betont, dass es genügend Beratungs- und Freizeitangebote gebe. Außerdem sei es sogar beabsichtigt, dass die jüngeren Aussiedler in Zukunft die «normalen» Freizeitangebote der Jugendarbeit nutzen. Die Älteren könnten ja sowieso in jede Kneipe und in jeden Klub gehen. Allerdings wünscht sich auch Baier-Regnery zusätzliche gastronomische Angebote. Was die Beratung angeht, macht er darauf aufmerksam, dass es den JMD in Kempten weiterhin gibt. Hinzu kämen zahlreiche andere Angebote wie die Kompetenz-Agentur oder die offene Jugendarbeit.

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