Schutzmaßnahmen
Jugendamt Kempten nimmt mehr Kinder in Obhut

Durch einige schreckliche Fälle von Kindesmisshandlungen in der Vergangenheit sind die Kemptener offenbar sensibilisiert. Die Zahl an entsprechenden Meldungen an das Jugendamt stieg von 80 im Jahr 2009 auf hochgerechnet 110 in 2010. Amtsleiter Matthias Haugg hofft, dass dies auch auf das Vertrauen in seine Behörde zurückzuführen ist.

Besuche und Überprüfungen der häuslichen Situation der Kinder seien automatisch die Reaktion seitens des Amts, wenn Hinweise eingehen, dass Kinder möglicherweise in Gefahr sind. Können Mädchen und Buben nicht bei ihren Familien bleiben, werden sie in Obhut genommen. Voraussichtlich 30 dieser Fälle gibt es laut Haugg 2010 (2009: 26).

Er rechnet damit, dass stationäre Hilfen für Kinder und Jugendliche künftig noch öfter geleistet werden müssen. Bei den komplexen Problemlagen wie psychischen Erkrankungen, Ausfall von Erziehungspersonen, Drogensucht oder auch Armut beobachten die Fachleute steigende Tendenzen. Sozialreferent Benedikt Mayer zufolge litten Kinder und Jugendliche am häufigsten unter Trennungssituationen - rund die Hälfte der Ehen geht in die Brüche. Ambulante Maßnahmen stießen da bisweilen an ihre Grenzen.

Das Geld etwa für Heimerziehung sei indes gut angelegt, heißt es im Vorbericht des Amts-Etats: «Die stationäre Jugendhilfe ist äußerst wirksam und hilfreich. »

Mit Hebammen und Kinderärzten arbeitet die Behörde zusammen, um frühzeitig Signale zu erhalten, wenn in einer Familie etwas nicht zum Wohl der Kinder läuft. Wert legt das Amt auch auf Kurse, die die Familien stärken. «Dreh- und Angelpunkt sind immer die Eltern», betonte Haugg im Finanzausschuss.

Bei den ambulanten Hilfen, die nicht zuletzt den kostspieligeren stationären vorbeugen sollen, hätten sich die Ausgaben auf rund 1,7 Millionen Euro eingependelt, rechnete Haugg vor. Erna-Kathrein Groll und Thomas Hartmann (beide von den Grünen) plädierten dafür, den vorbeugenden Bereich nach Kräften zu stärken.

Johann Lederle (CSU) mahnte, bereits im Kindergartenalter auf Auffälligkeiten zu reagieren.

Unterstützung erfahren die Familien beispielsweise bei der Mittagsbetreuung. Rund ein Drittel der betreffenden Kinder erhält Zuschüsse für eine warme Mahlzeit. Genauso hoch ist der Anteil der Familien, die sich Kindergarten oder Krippe nicht leisten können. Familienpaten werden genauso gefördert wie frühe Hilfen über die Koordinationsstelle «KoKi».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019