Füssen
Jetzt sollen auch die Pendler zahlen

Berufstätige, die nach Füssen zu ihrem Arbeitsplatz pendeln, werden vielleicht schon im kommenden Jahr von der Stadt kräftig zur Kasse gebeten: Im Verkehrsausschuss erklärte Bürgermeister Paul Iacob, dass die Verwaltung an einem Parkraum-Bewirtschaftungskonzept arbeite. Teil des Konzepts sei eine Parkkarte für Pendler, die acht bis zehn Euro pro Monat kosten könnte.

Die Reaktion zweier Arbeitnehmer, die von dieser Regelung betroffen wären, ist eindeutig: «Das ist ein Hammer», stöhnt eine Eisenbergerin auf. «Eine Unverschämtheit», ärgert sich ein 31-jähriger Roßhauptener.

Im Verkehrsausschuss ging es um die Rudolfstraße - bis vor kurzem ein beliebter Ort für Pendler. Nahe der Altstadt konnten sie kostenlos ihre Autos abstellen. Seit Ende September sind etliche dieser Dauerparkplätze weggefallen. Denn auf der Nordseite der Rudolfstraße darf nur noch mit Parkscheibe geparkt werden - und zwar maximal zwei Stunden. Für Pendler sind sie damit nicht mehr attraktiv.

Alte Regel wieder einführen

Nun waren bei der Stadt mehrere Anrufe und zwei Anträge eingegangen, die alle ein Ziel hatten: Die alte Regelung soll wieder eingeführt werden. Bürgermeister Iacob lehnte das ab: Man habe hier Parkplätze für Personen geschaffen, die zum Einkaufen nach Füssen kämen. Zudem gebe es von Anwohnern keinerlei Klagen mehr über zugeparkte Einfahrten. Für die Verwaltung betonte er: «Wir hielten und halten die Regelung für gut.»

Im Verkehrsausschuss sprach sich lediglich Gabriel Guggemos (Füssen-Land) gegen die Parkscheiben-Regelung aus. Denn er sei von zwei Frauen angesprochen worden, die mit ihren Autos bisher immer in der Rudolfstraße parkten, inzwischen dort aber oft keinen freien Platz mehr finden. Diese Frauen mit 400-Euro-Jobs könnten sich keinen kostenpflichtigen Parkplatz etwa an der Morisse leisten.

Die Mehrheit im Ausschuss beschloss aber, an der neuen Regelung festzuhalten. Wenns nach Bürgermeister Iacob geht, werden diese Frauen künftig für einen Parkplatz zahlen müssen. Denn das neue Parkraum-Bewirtschaftskonzept sehe auch eine Parkkarte für Pendler vor. Diese müssten zwischen acht und zehn Euro dafür pro Monat aufbringen. Iacob begründete dies mit den hohen Ausgaben, die die Stadt als Mittelzentrum auch für die Infrastruktur beim Parken finanzieren müsse.

Konzept bis Frühjahr

Dazu zähle etwa die Sanierung der Tiefgarage, die mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt sei. Wer gegen eine Parkkarte für Pendler sei, müsse ihm schon sagen, «wo wir anderweitig Geld einnehmen können».

Zu einer Diskussion kam es darüber nicht: Sie soll erst dann geführt werden, wenn das gesamte Konzept ausgearbeitet ist. Termin dafür ist das Frühjahr, kündigte der Rathaus-Chef an.

Beliebt macht sich die Stadt damit bei Pendlern nicht: «Es trifft die Falschen», sagt der 31-Jährige, der täglich von Roßhaupten mit dem Pkw nach Füssen zur Arbeit fährt: «Eine Parkkarte bestraft die, die einfach nur arbeiten wollen. Das wäre doch so, als ob die Stadträte für jede Minute im Rathaus auch noch Geld zahlen müssten.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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