Hochwasserschutz
Jetzt kommts auf die Gemeinden an

Wenn morgen Schneeschmelze und Regenschauer den Wasserpegel in Günz und Schwelk ansteigen lassen und ein Katastrophenhochwasser eintritt, entstünde im Günztal ein Schaden von bis zu 160 Millionen Euro. Das hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kempten ermittelt. Sieben Gemeinden - davon sechs Unterallgäuer und eine im Landkreis Günzburg - wären bei einem 100-jährlichen Hochwasser betroffen.

Und weil «Einzellösungen nicht funktionieren», so WWA-Leiter Karl Schindele, arbeitet seine Behörde seit mehreren Jahren an einem interkommunalen Hochwasserschutzkonzept für das gesamte Günztal. Geplant sind fünf Rückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von mindestens 7,5 Millionen Kubikmetern, so Schindele gestern in einem Pressegespräch, bei dem auch die Bürgermeister der beteiligten Kommunen sowie Landrat Hans-Joachim Weirather anwesend waren.

Die Standorte für die Becken stehen fest. In einem nächsten Schritt geht es nun darum, die beteiligten Kommunen ins Boot zu holen und die Finanzierung des rund 55-Millionen-Euro-Projekts auf eine vertragliche Basis mit dem Freistaat Bayern zu stellen, so Schindele. Ein Vertragsabschluss ist Voraussetzung für Genehmigung und Finanzierung des Projekts durch das Umweltministerium. Die Kosten der bisherigen Planungen hat der Freistaat getragen, sagte der Behördenleiter.

100 Jahre lang Unterhalt zahlen

Normalerweise bleiben den Kommunen 50 Prozent der Gesamtkosten. In diesem Fall entspreche das etwas mehr als 25 Millionen Euro, so Schindele. Für die Gemeinden sei das ein «großer Brocken».

In der vergangenen Woche habe man den Gemeinden angeboten, dass sie 100 Jahre lang für Betrieb und Unterhalt der Rückhaltebecken aufkommen. Im Gegenzug würden sich die Investitionskosten für die Kommunen «erheblich reduzieren» - auf 25 Prozent der Gesamtkosten, sagte Schindele. Bedingung für die Umsetzung der Gesamtbaumaßnahme ist die Zustimmung jeder beteiligten Gemeinde. Landrat Weirather befürchtet, dass das «nicht ganz einfach» werde. «Aber einen Plan B gibt es nicht.»

Um die fünf geplanten Becken bauen zu können, sind laut Helmut Weis, stellvertretender Leiter des WWA, acht Millionen Euro für den Grunderwerb von rund 200 Hektar landwirtschaftlicher Fläche eingeplant. Erfahrungsgemäß seien die Grundstücksverhandlungen ein «langer Prozess».

Um im Vorfeld «einige Bedenken auszuräumen», so Weirather, gebe es ein besonderes Angebot an die Landwirte: «Wir wollen die Flächen kaufen, auf denen die Dämme stehen sollen», sagte WWA-Leiter Schindele. «Ohne Abschlag.» Gleiches gelte für Einstauflächen. Die Bauern könnten sofort verkaufen oder aber auch zu einem späteren Zeitpunkt. Zudem sprach Schindele von Ausgleichzahlungen im Falle von Überschwemmungen sowie von der Möglichkeit, Flächen zu tauschen. «Das Angebot hat eine wertsichernde Wirkung», ergänzte Weirather. Das bedeute, dass der Wert der Grundstücke abgesichert sei, da immer ein potenzieller Käufer im Hintergrund stehe.

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