Fronleichnam
„Jesus will keine ‚Konservenkirche‘, sondern Gemeinschaft mit Esprit"

Fronleichnam mit Bischof Dr. Bertram Meier im Augsburger Dom.
2Bilder
  • Fronleichnam mit Bischof Dr. Bertram Meier im Augsburger Dom.
  • Foto: Bistum Augsburg
  • hochgeladen von Lisa Hauger

Bischof Dr. Bertram Meier hat in seiner heutigen Predigt zum Fronleichnamsfest im Augsburger Dom dazu aufgerufen, die Botschaft von Fronleichnam und das Wort „Prozession“ ernst zu nehmen. Für die Kirche bedeute das, hinauszugehen, fortzuschreiten, sich weiterzuentwickeln. „Jesus will keine ‚Konservenkirche‘“, die auf der Stelle trete, rief Bischof Bertram den rund 150 Gläubigen im Augsburger Dom zu. Die traditionelle Fronleichnamsprozession durch die Augsburger Innenstadt im Anschluss an das Pontifikalamt konnte heuer aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden. Stattdessen hielt Bischof Bertram zusammen mit den Weihbischöfen und dem liturgischen Dienst eine Statio auf dem Domplatz und segnete die Stadt sowie ihre Bewohner.

„Obwohl wir heuer nicht in einem großen, geordneten Zug mit Musik und Blumen nach draußen gehen können, sagt uns Fronleichnam: Die Kirche hat die Aufgabe, ‚die Weite zu suchen‘ im wörtlichen Sinne“, betonte Bischof Dr. Meier in seiner Predigt. Dies bedeute, auch bei drohenden Problemen und Streitigkeiten nicht fahnenflüchtig zu werden, sondern nach dem bekannten Psalmwort „Du führst mich hinaus ins Weite“ zu handeln. Jesus habe uns zum ‚Leben in Fülle‘ (Joh 10,10) befreit, „zu einem Leben mit Höhen und Tiefen, vor allem aber mit dem Panorama einer Weite, die kein Scheuklappendenken kennt“, richtete sich der Bischof an die Gläubigen und warnte sie gleichzeitig vor allzu engstirnigem Denken. „Jesus traut uns zu, dass wir leben können, ohne dass wir alles kleinlich vorschreiben oder kleinkariert festlegen müssten.“ Diese jesuanische Weite werde auch für sein Hirtenamt als Bischof prägend sein, gab Bertram Meier Einblick in sein zukünftiges Programm und Wirken: „Ich möchte nicht diejenigen über mich und die mir anvertrauten Gläubigen Macht gewinnen lassen, die Angst haben vor zu großer Weite und deshalb die Schafe lieber in einem engen Stall einpferchen wollen.“ Dort könne man zwar nicht viel falsch machen, aber dieser Weg bedeute auch „dass man gemolken, geschoren und schließlich womöglich geschlachtet wird“, so der Bischof.

Voranzuschreiten, nach vorne zu gehen und Fortschritte zu machen, seien auch Botschaften, die im Wort „Prozession“ steckten und damit zum heutigen Fronleichnamsfest passten. „Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten; er muss voranschreiten.“ Dies gelte auch für unser kirchliches Leben. „Wir dürfen nicht auf der Stelle treten, sondern wir müssen uns weiterentwickeln.“ Mit dem Vergleich von Sauerkraut, das nach dem Stampfen eingemacht und konserviert wird, stellte Bischof Bertram fest: „Jesus will keine ‚Konservenkirche‘, keinen sauertöpfischen Verein, sondern eine lebendige und liebenswerte Gemeinschaft mit Esprit, um nach vorn zu schreiten.“ Das Gegenteil von Prozession sei Rezession, also nach hinten gewandt, in die Krise. „Das können wir nicht wollen.“ Nicht Rezession, sondern Prozession, laute die Botschaft der Stunde. „Für die Kirche gibt es keinen Fortschritt im Rückwärtsgang. Sie soll Schritt halten mit den Menschen. Sie muss beweglich bleiben, um neue Wege zu finden, damit das Evangelium Jesu Christi auch heute ankommt.“ Die Kommunikation sei hier ein wichtiges Stichwort, stellte Bischof Meier fest und rief zu einer Sprache auf, „für die man kein Fremdwörterlexikon braucht, sondern die das Volk hören und verstehen kann“

Fronleichnam bedeute, dass wir Christus hochhalten und damit zeigten, dass Christus uns heilig ist. „Die Hostie ist nicht nur unser Allerheiligstes; kein Ding, sondern Person: der Allerheiligste“. Das Wort aus der ersten Lesung, „Vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht!“ aus dem Buch Deuteronomium treffe auch auf uns und die Kirche in dieser unsicheren und komplizierten Zeit zu, stellte Bischof Bertram fest. Als Wegweiser empfahl er hierbei auf den Heiligen Geist zu hören und nahm Bezug auf ein Zitat von Papst Franziskus: der Heilige Geist bewege uns, lasse uns unterwegs sein, dränge die Kirche weiterzugehen. „Der lebendige Gott bewahre uns von einer Zähmung des Heiligen Geistes!“, betonte der Bischof abschließend.

Was wird eigentlich an Fronleichnam gefeiert?
Fronleichnam mit Bischof Dr. Bertram Meier im Augsburger Dom.
Bischof Dr. Bertram Meier segnet Stadt und Land.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen