Jazzfrühling
Jazz trifft auf Klassik

Jazzfrühling geht nach dem Wetter: Da gibt es Wechselbäder von kalten Winterwinden und warmer Sommersonne. Dem entspricht die genussreiche Konzert-Abwechslung von beinhartem Rockjazz zu duftig-zartem Kammer-Jazz. Und jeder Härtegrad hat sein Publikum. Voll besetzt waren Parkett und Ränge im Kemptener Stadttheater, als vier Solisten der Berliner Philharmoniker gemeinsam mit zwei Vollblut-Jazzern konzertierten. «Bolero Berlin» nennt sich die international bestückte Formation. Denn Boleros aus Kuba und Mexiko, Tangos aus Argentinien, Bossa Novas aus Brasilien sind die Essenz ihrer Musik. Bekannt, aber so noch nie gehört.

Hier spielt ein «klassischer» Bratschist die erste Geige. Martin Stegner gibt neben diesem Hauptjob auch den Ansager - was sich bei seinen Späßen zunächst ziemlich unbeholfen anhört, entpuppt sich im Lauf des Abends als vergnügliches Entertainment auf Fränkisch.

Ein waschechter Schwabe ist Raphael Haeger am Klavier. Manfred Preis (Klarinette, Bassklarinette und Sopransaxofon) kommt aus Niederbayern. Der Vierte im Bunde dieser philharmonischen Berliner ist Professor Esko Laine am Kontrabass, ein Finne.

Seit 20 Jahren kennen sich Martin Stegner und Helmut Nieberle, der Regensburger Weltklasse-Gitarrist an der siebensaitigen Jazzgitarre. Diese Bekanntschaft ist «des Pudels Kern» in diesem seltenen «Jazzmen meet Classicmen»-Unternehmen. Rhythmischen Pfiff schießt Topo Gioia aus Argentinien an Congas und Becken ein.

Bei aller Zurückhaltung hin und wieder eine Spur zu laut war er auf seiner Cajon-Sitztrommel.

Leise und kultiviert

Trotz des Argentiniers Temperament: Gäbe es im Kemptener Jazzfrühling einen Preis für leises, kultiviertes, akademisch hochklassiges Spiel, «Bolero Berlin» hätte ihn schon in der Tasche. Denn wo sonst hört man den «Libertango» von Astor Piazzolla unverstärkt im Duett mit Bratsche und Klarinette, garniert von genialen halbakustischen Gitarrensolos? Wo sonst wird Duke Ellingtons «Caravan» im kunstvollen 7/8-Takt gespielt? Auf welcher Jazzbühne erklingt Maurice Ravels «Valse noble et sentimentale» mit subtiler Klavier- und Sopransaxofon-Improvisation? Und Stéphane Grappellis Geigen-Swing - bei Martin Stegners Bratsche jetzt eine Etage tiefer und «latinisiert» - ist schon lang Geschichte.

«Bolero Berlin»: ein aufregender Sixpack geballter Jazzkunst.

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