Oberstaufen / Oberstdorf
«Ja, ja, ich les gleich »

Bundestagswahl: So eine Steilvorlage kann sich kein politischer Kabarettist entgehen lassen. Noch dazu, wenn er Dieter Hildebrandt heißt und wahrlich als Altmeister in dieser Disziplin gilt. Folglich gestaltet der 82-Jährige jetzt die beiden Abende in Oberstaufen und in Oberstdorf nicht als Rezitation aus seinem Werk «Nie wieder achtzig», sondern als das, für was Hildebrandt so geschätzt wird: Bissige Improvisationen über das aktuelle politische Geschehen mit nur scheinbar fahrig dahingesagten Satzfetzen.

Immer wiederkehrender Gag: Nach seinen Abschweifungen in die Niederungen der hohen Politik klopft er kurz auf sein Buch und meint «Ja, ja, ich les gleich» - offenbar zur Beruhigung des Publikums, das wohl in Erwartung einer Lesung gekommen ist. Dröges Vorlesen will aber in Wirklichkeit niemand. Der Saal lechzt vielmehr nach der Spontaneität des Kabarett-Gurus.

Trio Infernahles

Und Hildebrandt bedient seine inzwischen mehrheitlich graue Fan-Gemeinde bestens. In Berlin sieht er bei der SPD ein «Trio Infernahles» heranreifen. Angela Merkel laufe noch nicht ganz rund, was wohl ein bisschen an ihrem «uckermärkischen Furchengang» liege. Guido Westerwelle irre sich, wenn er das Licht am Ende des Tunnels sehe, denn er sei selbst der Tunnel. Und in Bayern verbreite Seehofer («dieser Ingolstädter Heißluftballon») Unverbindliches, denn «wenn er was sagt, sagt er nix, oder es ist nix.»

Hildebrandt dreht zwischendurch das Rad der Zeit zurück und bringt ein paar alte Nummern. Darunter unvergleichlich «Helmut Kohl spricht Matthias Claudius» mit dem Hang des Altbundeskanzlers zur zwischengeschobenen Bekräftigung: «Der Mond, meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen, ist aufgegangen!»

Am Ende steht der ganze Saal auf und applaudiert dem rüstigen Rezitator. Viele hoffen, dass Hildebrandt noch lange weiter durch die Republik tourt - mindestens bis zum Buch «Nie wieder neunzig!»

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