Waldner
Issoninam Kansoukou aus Togo macht in Wangen Ausbildung zur Industriekauffrau

Ihr Deutsch ist beeindruckend gut. Nur gelegentlich ist der französische Einschlag zu hören. Seit einem Jahr lebt Issoninam Kansoukou in Deutschland und die Sprache stellt längst keine Hürde mehr da. Die 21-jährige Frau ist in Togo geboren und aufgewachsen. Dort hat sie Abitur gemacht und das Ziel verfolgt, eine Ausbildung im Ausland zu machen. Ihr Onkel Pawinam Batéma stellte den Kontakt zur Firma Waldner in Wangen her. Er gehörte zum Organisationsteam des togolesischen Fußballteams, das 2006 an der Weltmeisterschaft teilnahm und seinerzeit sein Quartier in Wangen aufschlug.

Der erste telefonische Kontakt zwischen Personalreferentin Brigitte Blenk und der jungen Frau aus Afrika verlief anders als gedacht: 'Mein Deutsch, das ich in der Schule gelernt hatte, war zu schlecht', erinnert sich Issoninam. Doch sie gab nicht auf. Sie besuchte das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé. Weitere Telefonate zwischen Togo und Wangen folgten - und dann viele Formulare. 'Wir mussten nachweisen, dass wir einen zusätzlichen Ausbildungsplatz geschaffen hatten. Sonst hätte Issoninam kein Visum erhalten', erzählt Brigitte Blenk.

Bis zuletzt war unsicher, ob die junge Frau rechtzeitig nach Deutschland kommen kann. Dann saß sie am 31. August 2011 im Flugzeug - um am Tag darauf in Wangen mit ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau zu beginnen. Ihr neuer Arbeitgeber half ihr bei der Wohnungssuche und fragte per E-Mail auch alle Mitarbeiter, ob sie der neuen Kollegin aus Togo bei der Einrichtung helfen könnten.

Das Ergebnis überwältigte Issoninam. 'Ich habe alles bekommen. Alle Möbel, die ich gebraucht habe. Alles, bis hin zur Bettwäsche', sagt sie. Mit den anderen jungen Frauen und Männern ihres Ausbildungsjahrgangs kam sie schnell in Kontakt. Und doch erlebte sie einen 'Kulturschock'.

Die Weißwürste am ersten Arbeitstag gehörten ebenso dazu wie der automatische Wasserhahn. Aber vor allem stellte sie fest: 'Hier erledigen Maschinen, was in Togo mit Händen gemacht wird.' Schon mehrfach wurde sie in der Wangener Fußgängerzone von wildfremden Menschen angesprochen: 'Sie wollten wissen, woher ich komme.' Und sie merkte, dass die Menschen auf sie schauen - ausgelöst von ihrer Hautfarbe. Aber auch sie selbst musste sich erst daran gewöhnen, von Weißen umgeben zu sein.

Der größte Schock? 'Die Kälte und der Schnee.' Spontane Hilfe erlebte sie auch hier: 'Der Second-Hand-Shop hat mit mich Winterkleidung ausgestattet.'

Trotz der vielen positiven Erfahrungen: 'Am Anfang war das Heimweh groß.' Es flossen Tränen und die 21-jährige dachte auch daran, wieder nach Togo zu fliegen. Das ist Vergangenheit. Ans Schwäbische hat sie sich ebenso gewöhnt wie das wechselhafte Wetter. Butterhörnle und Spätzle hat Issoninam lieben gelernt und neben Ausflügen in der Umgebung auch einen Lebenstraum wahr werden lassen und im Sommer eine Freundin in Paris besucht. Inzwischen singt sie im evangelischen Kirchenchor und freut sich auf den Skikurs im kommenden Winter.

Negative Erfahrungen mit Deutschen hat sie noch keine machen müssen - gleichwohl sieht sie die Unterschiede. 'Deutsche arbeiten konsequent bis zum Ende und überwinden Probleme', hat sie festgestellt. Aber mitunter vermisst sie die Offenheit ihrer Landsleute: 'Sie unterscheiden nicht zwischen Verwandten, Freunden, Bekannten und Fremden wie die Deutschen'. So sei eine es Selbstverständlichkeit, sich auf der Straße zu grüßen.

Ihrer Ausbildung bei Waldner will sie, wenn möglich, ein Studium in Deutschland folgen lassen. Dann will die junge Togolesin zurück in ihr Heimatland. Aber bis dahin wird sie noch einige kalte Tage hierzulande verbringen.

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