Investition in einem gesegneten Land

Weiler im Allgäu | pem | Rote und blaue Blitze zucken durch die Halle, Nebel wabert über den Boden. Die acht jungen Frauen der Tanzgruppe 'Diamondz' (Tanzschule Schnell) ziehen Blicke auf sich. Langsam hebt sich das Tuch. Mit einer beeindruckenden Lichtshow hat Holzer Druck und Medien die neue Sechsfarben-Druckmaschine in Betrieb genommen. Ein Höhepunkt der gestrigen Feier zum 120-jährigen Bestehen des Unternehmens. Der Festvortrag von Anselm Bilgeri ein anderer. Sein Thema: 'Finde das rechte Maß'.

Wer auf dem Druckmarkt Erfolg haben will, muss auf modernste Technik setzen. Holzer Druck und Medien macht das traditionell. 'Vier Generationen Fleiß, Ausdauer, Bescheidenheit, Sparsamkeit verbunden mit Ehrgeiz, ständig und unbeirrt durch oft schwere Zeiten, immer wieder ein Stück voranzukommen und nie aufzugeben' - so beschrieb Dr. Elmar Holzer die Firmenphilosophie. Sein Urgroßvater Gebhard, ein Lehrer, hatte das Unternehmen 1867 gegründet.

Passend zum Jubiläumsjahr hat das Unternehmen vor wenigen Wochen einen Anbau mit rund 1400 Quadratmetern Fläche in Betrieb genommen. Standort unter anderem für eine neue hochmoderne Sechsfarben-Druckmaschine mit Lackturm. 'Das modernste, was es im Umkreis gibt', so der Verkaufsleiter des Druckmaschinenherstellers König&Bauer, Stürmer. Er lobte den Mut in eine Erweiterung der Kapazitäten zu investieren. 'Wir feiern nicht den Tausch einer alten in eine neue Maschine, sondern eine Zusatzinvesition' (Stürmer). Die war erheblich: Insgesamt hat das Unternehmen in Anbau und Maschinen 2,5 Millionen Euro investiert. Karl-Georg Nickel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Druck und Medien in Bayern, bezeichnete das Allgäu aus Sicht der Branche als 'gesegnetes Land': 'Global haben wir in keiner anderen Region eine so modern ausgerichtete, mittelständisch geprägte Industrie wie hier'. 'Starke Kundenorientierung und Spezialitäten' - das charakterisiere Holzer und Medien.

Über das Tagesgeschäft hinaus zu blicken, Werte vertreten - das zeichnet Unternehmer aus. Passend dazu der Vortrag von Anselm Bilgri, der die 1500 Jahre alte Ordensregel Benedikts von Nursia als Richtschnur auch für unternehmerisches Handeln vorstellte. Während in der Antike die Muße, das erfüllte Nichtstun, als Ideal galt, predigte der Ordensgründer 'ora et labora' (bete und arbeite). 'Nicht entweder oder, sondern die Ergänzung der beiden ist das Sinnvolle', so Bilgeri, die 'Balance zwischen materiellen und immateriellen Werten'.

Drei Prinzipien Benedikts nannte Bilgri, die heute noch für die Führung eines Unternehmens gelten. 'Gehorsam', 'Demut' und die 'Gabe der Unterscheidung'. Bilgri, der 20 Jahre Cellerar (Wirtschaftsleiter) der Abtei St. Bonifaz und des Klosters Andechs war, erläuterte das mit der Herkunft der Worte. Gehorsam bedeute ursprünglich 'eifrig sein im genauen Hinhören und das zu einer gemeinsamen Haltung der Organisation werden zu lassen'. Daraus leitet der frühere Cellerar Empfehlungen für Führungskräfte ab. 'Wer fragt, der führt' (Bilgri). Neue Ideen von seinen Mitarbeitern erhalten, ihre Potentiale wecken, könne nur ein Vorgesetzter, der bereit sei, zuzuhören.

Ähnlich ist es mit der Demut. Sie sei der Mut und der Willen 'dienen zu wollen, die Fähigkeit sich 'persönlich zurückzunehmen, damit die Mitarbeiter sich entwickeln können.' Drittes Prinzip ist für Bilgri die 'Gabe der Unterscheidung': 'Wir sollten jeden nach seinen Fähigkeiten behandeln, nicht jeden über einen Kamm scheren.'

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