Scheidegg
Internet-Pionier wartet auf schnelle Verbindung

Der Bedarf an schnellen Internetverbindungen in der Region ist groß. Das hat vor Monaten eine Befragung durch die Gemeinden und die Wirtschafts- und Entwicklungsleitstelle Westallgäu (WEST) ergeben. Wie sich Unternehmen und Privathaushalte flächendeckend mit Breitband-Verbindungen versorgen lassen, lässt die WEST derzeit in einer Machbarkeitsstudie ermitteln. Indes gibt es auch private Initiativen für eine bessere und schnellere Verbindung. Eine geht von Professor Dr. Wolfgang Bibel aus.

Bibel wohnt zwar seit 20 Jahren in Scheidegg-Lindenau, lehrte aber noch viele Jahre an der Universität Darmstadt. Dort hatte er auch einen schnellen Zugang zum Internet. Nachdem der 71-jährige auch sein Büro ins Westallgäu verlegt hatte, bestellte er einen DSL-Zugang. Geschaltet werden konnte er allerdings zunächst nicht. Denn für Lindenau war keine Kapazität in Form eines so genannten Ports mehr vorhanden.

Bibel telefonierte mehrmals mit verschiedenen Telekom-Mitarbeitern und wandte sich schließlich an Telekom-Vorstand René Obermann. Dabei verwies er auch auf seinen beruflichen Werdegang. So arbeitete der studierte Mathematiker schon 1970 in den USA mit dem Arpanet, einem Vorläufer des Internets.

Als Professor für Informatik und Mitbegründer des Gebietes der Künstlichen Intelligenz in Deutschland zählt er sich zu den Pionieren der Technologie, die er zunächst in seinem Wohnort nicht nutzen konnte. Zwar fand die Telekom kurzfristig eine Lösung und konnte Bibel einen frei gewordenen Port anbieten. Doch die Übertragungsrate liegt aufgrund der hohen Entfernung und der schlechten Kabelverbindung bei gerade einmal 384 KBit/Sekunde. Zum Vergleich: Wer im Westallgäu nahe genug an einem der Knotenpunkte der Telekom wohnt, erhält Daten mehr als 40mal schneller. Für Bibel ist das keine befriedigende Lösung, zumal er mutmaßt, dass ihm seine Prominenz geholfen hat, sich auf der Warteliste «nach vorn zu drängen».

Seinen Kontakt zum Service-Team des Telekom-Vorstandes würde er gern nutzen, um für alle betroffenen Firmen und Anwohner im Bereich Lindenau und Scheffau eine Lösung zu realisieren. Das Unternehmen signalisierte Abhilfe, sobald 300 Interessenten gefunden seien. So hat Bibel mit einer Unterschriftensammlung begonnen.

«In Bereichen, in denen sich eine schnelle Breitbandversorgung mit einer Übertragungsrate von 1 bis 3 MBit/Sekunde aufgrund der Anschlusszahlen rechnet, ist sie bereits erfolgt», weiß Andrea Schneider von der WEST. Dort, wo jetzt im Westallgäu noch Bedarf an schnellen Internetverbindungen besteht, ist kein Unternehmen bereit, ohne Zuschüsse durch die Gemeinden aktiv zu werden. Daher läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie, mit welchen Technologien sich die weißen Flecken auf der Versorgungskarte beseitigen lassen.

Denkbar sind das Verlegen neuer Kabel unterschiedlichen Typs, aber auch das Nutzen von Stromkabeln oder Funkverbindungen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen Anfang 2010 vorliegen. Ein Trend ist erkennbar: Die Topographie des Westallgäus spricht in vielen Bereichen gegen Funklösungen.

Mit der Machbarkeitsstudie haben die in der WEST zusammengeschlossenen Gemeinden dann alles in der Hand, um für eigene Maßnahmen Fördermittel beantragen zu können. Andrea Schneider sieht die Eigeninitiative von Professor Bibel dennoch uneingeschränkt positiv: «Sein Einsatz ist wichtig und nachvollziehbar.» Ihr sind auch Unternehmen bekannt, die sich ungeachtet der Studie kurzfristig um eine schnellere Internetanbindung bemühen: «Da brennt es teilweise.»

Das hat auch Wolfgang Bibel im Gespräch mit einem Unternehmer aus Scheffau erfahren. Er nutzt eine teure SDSL-Verbindung, die speziell Firmen angeboten wird, aufgrund der Kosten für private Anwender aber keine Alternative darstellt. Ein Nachbar von Bibel geht noch einen anderen Weg: Er sendet und empfängt Daten über das Mobilfunknetz. Allerdings geschieht das über ein österreichisches Netz, denn auch hinsichtlich der Handy-Technik sind Lindenau und Scheffau von den deutschen Anbietern nicht oder unzureichend versorgt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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