Kempten
Intelligenter Stromzähler soll Geld sparen helfen

Für 250 Kunden des Stromversorgers Allgäuer Überlandwerk (AÜW) beginnt demnächst der Praxistest mit sogenannten intelligenten Stromzählern, auch als Smart Meter bezeichnet. Das Prinzip: Die neuen Zähler erfassen den Stromverbrauch der Haushalte und Gewerbebetriebe zur jeweiligen Tages- oder Nachtzeit. Nimmt der Kunde in verbrauchsarmen Zeiten - beispielsweise in der Nacht - Strom ab, so erhält er diesen günstiger.

Geldsparen kann ein Haushalt also beispielsweise dann, wenn Waschmaschine oder Trockner in der Nacht laufen. «Diese Sparzonentarife können ein Anreiz sein», beschreibt Dr. Michael Fideldey, Geschäftsführer der Allgäu Netz GmbH. Er betont aber auch: Es gehe bei dem Projekt nicht ums Energie sparen, sondern darum, Verbrauch und Stromerzeugung besser in Einklang zu bringen.

Dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass immer mehr Strom dezentral aus regenerativen Quellen erzeugt wird, die nicht immer zu jeder Tageszeit gleichmäßig zur Verfügung stehen: vor allem aus Wasserkraft, Sonne (Photovoltaik), Wind oder Biogasanlagen. Bereits jetzt werden 26 Prozent des vom AÜW verkauften Stroms regenerativ hergestellt. «Bis 2020 streben wir einen Anteil von 40 Prozent plus X an», sagt AÜW-Chef Michael Lucke: «Dann sind wir doppelt so gut wie die Klimaziele der Bundesregierung.

» Seit 2002 hat sich der Anteil des aus erneuerbaren Energiequellen stammenden Stroms beim AÜW verdreifacht.

Repräsentativer Querschnitt

Die Verbraucher, die die neuen Stromzähler testen, stellen einen repräsentativen Querschnitt der gesamten AÜW-Kundschaft dar. Darunter sind Privathaushalte, Gewerbetreibende und Landwirte. Zusammen mit den neuen Zählern erhalten 30 Testpersonen auch spezielle Steuerungseinheiten. Diese sorgen dafür, dass sich Geräte wie Waschmaschine, Trockner oder Geschirrspüler automatisch dann einschalten, wenn preisgünstiger Strom zur Verfügung steht.

Gemeinschaftsprojekt

Zudem zeigt ein Lichtsignal an der Steckdose dem Verbraucher an, ob momentan gerade günstiger Sparzonen-Strom aus dem Netz kommt. Diese computergestützte Steuerungseinheit für das gesamte Stromnetz im Haus namens «Joonior» ist ein Gemeinschaftsprojekt der Firmen MSR-Office und Diehl/Ako aus Wangen (Kreis Ravensburg). Die AÜW-Versuchsreihe läuft bis Mitte nächsten Jahres. Möglicherweise wird noch 2011 dann für alle Kunden ein Sparzonentarif eingeführt, bei dem der Strom beispielsweise in der Nacht deutlich günstiger als zu Spitzenlast-Zeiten am Morgen oder frühen Abend ist.

Wille der Bundesregierung ist es, dass bis zum Jahr 2020 Deutschland zu 80 Prozent mit intelligenten Stromzählern abgedeckt ist, wie sie jetzt im Allgäu erprobt werden. Experten bezweifeln allerdings, ob diese Zielsetzung realistisch ist. Allein im Versorgungsgebiet des AÜW müssten rund 14000 Zähler ausgetauscht werden.

Europäisches Programm

Der Versuch mit den neuen Stromzählern ist Teil des europäischen Projekts Alp-Energy. Dabei arbeiten Stromversorger, Forschungseinrichtungen und staatliche Behörden aus sechs Alpenstaaten zusammen. Ziel ist es, die zukünftige Versorgung mit erneuerbaren Energien zu planen und zu realisieren.

im Internet: www.alpenergy.net Speziell zum Allgäuer Projekt: www.alpenergy-visualisierung.de

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