Marktoberdorf
Inspirierender Kubus

In einem zweistündigen Podiumsgespräch hatten interessierte Besucher des Marktoberdorfer Künstlerhauses die Gelegenheit, die Künstlerin und die Künstler kennenzulernen, deren Installationen und Videoarbeiten in der laufenden Ausstellung «von hier aus» zu sehen sind. Die Diskussionsleitung lag bei Rundfunk-Moderator Norbert Joa, bekannt aus der Bayern-2-Sendung «eins zu eins - der Talk». «Ich bin kein Fachmann, habe nicht Kunst studiert, bin aber offen und neugierig für alles,» bekannte er gleich zu Anfang und «Gott sei Dank» schallte es aus dem Publikum zurück.

In einer Vorstellungsrunde rief er die vier anwesenden Künstler einzeln auf die Bühne und sprach mit ihnen über ihren Werdegang und ihre Arbeiten: Kunst für einen Raum des Künstlerhauses zu machen, war die Aufgabe gewesen. Im Gespräch zeigte sich, wie unterschiedlich das Quartett an diesen Auftrag herangegangen war: «Das Haus ist ungewöhnlich, hart und stark und provoziert sowohl positive wie negative Reaktionen», analysierte Markus Julian Mayer, dessen Lichtinstallation «Beginnende Rotglut» das Künstlerhaus derzeit in den Abendstunden erröten lässt. Der Architekt will damit das Haus in ein anderes Licht stellen und hat sich für die stark assoziative Farbe Rot entschieden.

Karen Irmer, von ihr stammt die Fotoinstallation «Einwand» im Obergeschoss, offenbarte einen guten Schuss Romantik in ihren doppelt belichteten und gespiegelten Fensterbildern mit Motiven aus Augsburgs Westlichen Wäldern. Die Aufgabe, Kunst für diesen Raum zu machen sei nicht einfach gewesen, gab sie zu. Den Fenstern, aus denen man nicht hinausschauen kann, und der undurchdringlichen Ziegelmauer habe sie eine andere Wahrnehmung und Wertung zuweisen wollen.

Raum geflutet

«Das Haus ist super! Ich finde es klasse, dass ein kleiner Ort sich so etwas leistet», lobte Gregor Passens das Künstlerhaus. Die Idee zum Fluten des Kellergeschosses war ihm spontan bei der Besichtigung der Räumlichkeiten und über den Ausstellungstitel gekommen.

Gerne in öffentlichen oder halböffentlichen Räumen wie einer Einkaufspassage, einem Friedhof oder einer Bank präsentiert Alexander Steig aus München seine Arbeiten. Dementsprechend ist auch seine Installation «Incorporation» aus dem Künstlerhaus hinausgewachsen. Ein Objekt in einem leerstehenden Marktoberdorfer Laden gehört dazu.

Die Begriffe «Geld» und «Wert» stellte der Moderator über die gemeinsame Diskussion, an der sich auch die Kunstpädagogin am Künstlerhaus, Karin Bergdolt, beteiligte. «Hauptberufliche Künstler haben im Schnitt ein Einkommen von rund tausend Euro im Monat», zitierte Joa statistische Zahlen und fragte in der Runde, wer von seiner Kunst leben könne. Schnell stellte sich heraus, dass jeder von ihnen noch einen zweiten Erwerbsberuf hat. Wie es denn da mit ihrem Selbstwert als Künstler bestellt sei, wollte der Moderator wissen.

«Man wird nicht Künstler, um mit dem Kunstmachen Geld zu verdienen», stellte Bergdolt klar. Über Kunstsponsoren gingen die Meinungen der Runde weit auseinander: Sie reichten von «Ich mache sowieso, was ich will» bis zur Forderung der Unterstützung von Kunst als öffentliche Aufgabe, um sie den Marktgesetzen zu entreißen.

«Kunst an sich ist erst mal unnütz,» provozierte der Moderator und erntete damit sowohl Empörung als auch Schmunzeln. Kunst ist ein Wert an sich, meinte Steig, während Mayer die integrative Wirkung der Kunst als Nutzen deklarierte. Ein Lebensrecht für Nutzloses wurde daher von allen befürwortet. Als kapitalistischen Gegenentwurf zur Nutzlosigkeit der Kunst warf Joa die gelegentlich geforderte Besucherquote für Museen in die Runde. Markus Julian Mayer brachte es auf den Punkt: «In einer pluralistischen Gesellschaft bestimmt nicht nur die Mehrheit, auch die Minderheit ist wichtig.

» «Sonst sind wir bei der Diktatur des Mainstream und es gibt solche Häuser nicht mehr,» beendete Joa die Diskussion.

Fern von akademischer Abgehobenheit und abstrakter Phrasendrescherei war diese Diskussionrunde dank der konstruktiven Gesprächsführung des Moderators so recht dazu geeignet, die Gedankenwelt der Künstler kennenzulernen. Schade, dass nur der gewohnt kleine Kreis diesen unprätentiösen Blick auf die aktuelle Ausstellung und ihre «Macher» nutzte.

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