Innovative Brücke aus Textil und Beton über der Rottach

Von Jochen Sentner | Kempten Innovativer Brückenbau hat in Kempten Tradition. Dort stehen die längste deutsche Holzträger-Brücke wie auch die weltweit größten Stampfbetonbrücken. Jetzt ist die Stadt um eine Weltneuheit reicher: Die erste kommerziell hergestellte textilbewehrte Betonbrücke bildet einen Fußgängerüberweg über die Rottach im Nordwesten Kemptens. Am Dienstag stellten die Verantwortlichen das Bauwerk vor.

Wer auf der Brücke steht, sieht zunächst altbekannte Betonoberflächen. Doch der erste Eindruck täuscht: 'Das ist Hochleistungsbeton', erklärt Professor Manfred Curbach von der Technischen Universität Dresden. Seit zehn Jahren forscht sein Institut für Massivbau am neuen Werkstoff. 'Dazu ist der Beton mit Glasgewebe bewehrt - das macht das Material fester als Stahlbeton, obwohl es leichter ist.'

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Betondeckung bleibt vergleichsweise gering: Die Wandstärke der neuen Brücke beträgt insgesamt nur drei Zentimeter. Und so spart man jede Menge Gewicht. 'In Stahlbetonbauweise wäre die Brücke mindestens drei mal so schwer geworden', sagen die Experten.

Material zu sparen gelingt auch dadurch, dass das speziell aufbereitete Glasgewebe im Gegensatz zum Baustahl keinen Rostschutz benötigt. 'Viel Beton wird nur verbaut, um den eingebetteten Stahl vor Korrosion zu schützen', sagt Curbach. Die nächste Stufe der Festigkeit erreichen die Experten durch die Verwendung von Carbon- statt Glasfasern. Beide Materialien werden übrigens auf Textilmaschinen zu Netzen verwoben, daher der Begriff textilbewehrt.

Aus 18 Segmenten ist die Brücke zusammengeklebt und gespannt. Ein Fertigteilwerk im sächsischen Oschatz arbeitet eng mit der Uni zusammen und hat die Teile produziert. Zwar entstehen die Schalungen praktisch in industrieller Fertigung. Am Ende sei dennoch jedes Teil ein Stück Handarbeit, erläutert Ingenieur Matthias Schurig.

Besonders dünne Elemente

Weitere Anfragen für ähnliche Brückenbauwerke gibt es aus Dresden und Dortmund. Doch das Anwendungsspektrum sei mit Brücken nicht ausgeschöpft: Neubauteile seien in jeder beliebigen Form denkbar, versichert Curbach. Besonders dünne Fassadenelemente aus dem neuen Werkstoff eigneten sich sowohl für den Neubau als auch die Sanierung von Altbauten. Für den Rohrbau könne das Material ebenfalls eingesetzt werden.

Zukunftsträchtig erscheint das neue Verfahren nicht zuletzt durch die Schonung von Ressourcen und die Verwendung natürlicher Materialien. Ein späteres Recyceln sei völlig problemlos, da sämtliche Materialien bedenkenlos in den Naturhaushalt zurück fließen können. Mit der Rottachbrücke rechnet man sich Chancen aus beim 'Renault traffic future Award', einem Preis für innovative Verkehrsarchitektur.

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