Buchloe
Innehalten in der staden Zeit

Trotz einer Vielzahl von Alternativangeboten übte die musikalische Einstimmung in den Advent am Sonntagabend im Buchloer Rathaus eine besondere Anziehungskraft aus: Bis in den Gang hinaus lauschten die Besucher den besinnlichen Klängen der Buchloer Stubenmusik sowie den Kemnater Sängerinnen.

Im stimmungsvoll dekorierten Rathaussaal erläuterten sie in Wort und Musik Allgäuer Advents-Brauchtum. Zusätzliche reizvolle Akzente setzten ein Bläserensemble als «Vorgruppe» mit einigen internationalen Weihnachtsliedern, ein recht modernes Nikoläuse-Duett (Christian Epp und Stefan Hörmann), das sich in Gedichtform den Tücken des heutigen Geschenkbringer-Jobs widmete, sowie ein Kinder-Blockflöten-Trommel-Trio.

In der variabel genutzten Besetzung Zither, drei Hackbretter, Querflöte, Harfe, Gitarre und Kontrabass stiegen die Stubenmusiker sensibel und atmosphärisch dicht mit einem Rieser Bauernmenuett und einem Höfischen Tanz in den Abend ein.

Bestens ins Klangbild der vor uns liegenden «staden Zeit» passten mit vom Timbre her gut aufeinander abgestimmten, ausdrucksstarken Stimmen die «Kemnater Sängerinnen» (unterstützt von Gitarrenklängen), die sich unter anderem der heiligen Barbara - ihr Festtag ist der 4. Dezember - widmeten.

Anrührend und eindrucksvoll

Nicht ohne Schmunzeln ging es ab, als die Kemnater Sängerinnen sich musikalisch eines traditionellen Kernbereichs dieser Heiligen annahmen - der Sorge um und für die jungen Mädchen, besonders im Zustand der Suche nach einem geeigneten Ehemann. Nicht weniger anrührend und eindrucksvoll geriet auch das «Verkündigungslied», passend zur Kemnater Tradition des «Frauentragens» am 8. Dezember, sowie das mit viel Charme intonierte «Advent, Advent».

Sympathisch und frech

Eher sympathisch frech nahmen sich im Vergleich dazu die erwähnten «Nikoläuse» aus. Sie stellten klar, dass man es in Zeiten von Diskotheken, Ballerspielen und Gewalt auch nicht mehr so leicht hat mit der Bescherung. Das Blockflöten-Trommel-Trio zeigte mit «Little Drummer Boy» und «Süßer die Glocken nie klingen», dass die nächste Generation der Stubenmusiker schon in den Startlöchern steht.

Die Stubenmusiker selbst gefielen vor dadurch, dass sie durch einen klugen Wechsel beim Charakter der gespielten Stücke - das Spektrum reichte von ruhiger Hirtenmusik über Jodler-Arien bis zum beschwingteren Polkarhythmen - keine Langeweile aufkommen ließen. Auch die Farben der Instrumente - vor allem auch die Harfe und Zither - wurden abwechslungsreich genutzt und boten genug Raum für ansprechende Solopassagen.

Abgerundet wurde der Stubenmusik-Abend auch durch Textbeiträge - einen passenden Schlusspunkt setzte hier Harfenistin Lena Lachenmair mit einem nachdenklichen Plädoyer fürs Innehalten in der «staden Zeit». Lucia Buch

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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