Altersarmut
In zehn Jahren um 48 Prozent gestiegen: Immer mehr Rentner in Kempten beziehen „Alters-Hartz-IV“

Symbolbild.

Viele Rentner haben ihr Leben lang gearbeitet aber trotzdem nicht genügend Mittel zur Verfügung, um ihren Lebensunterhalt daraus zu bestreiten. Immer mehr Menschen sind deshalb auf staatliche Unterstützung - "Alters-Hartz-IV"- angewiesen. 

Empfängerzahl deutlich gestiegen

In Kempten ist die Zahl der Empfänger von "Alters-Hartz-IV" in den letzten zehn Jahren um 48 Prozent gestiegen. Gab es in Kempten 2008 noch 734 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 1.089. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. In ganz Bayern erhielten zuletzt rund 125.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – 43 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Claudia Weixler, Geschäftsführerin der NGG-Region Allgäu, sieht den Trend mit Sorge – und fordert eine „rentenpolitische Kurskorrektur“. Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut in der Stadt zu verhindern. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. 

Forderung der NGG

Eine entscheidende Ursache für die dürftigen Renten sind niedrige Einkommen. Selbst wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, lande im Alter oft unter der Armutsschwelle, so Weixler. Das liege auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu komme der Trend zu Teilzeit und Minijobs. Die NGG fordert die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt „ernst zu machen“. Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die bloße Grundsicherung. Am Ende stehe ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf dem Spiel. „Für Tausende Beschäftigte allein in Kempten stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist“, warnt Weixler. Diese Sorge dürfe die Politik nicht ignorieren. Sie müsse jetzt die nötigen Mittel aufbringen, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen.

Autor:

Camilla Schulz aus Memmingen

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