Unruhen
In Sorge um die Familie in Tunesien

Sami Ben Rouek ist sehr besorgt: «Ich rufe zurzeit jeden Tag mindestens zweimal bei meiner Familie in Tunesien an und erkundige mich, wie es allen geht.» Wie berichtet, gibt es in dem nordafrikanischen Land derzeit große Unruhen. Der seit 23 Jahren herrschende Diktator Zine el-Abidine Ben Ali ist geflüchtet.

«Es ist sehr wichtig, dass er endlich weg ist», betont der 28-jährige Ben Rouek, der seit dem Jahr 2007 in Memmingen lebt, also rund 1300 Kilometer von seiner nordtunesischen Heimat entfernt. Er hat sein Land jedoch nicht aus politischen Gründen verlassen, sondern der Liebe wegen: «Ich habe in einem Hotel gearbeitet. Dort habe ich meine heutige Ehefrau aus Memmingen kennengelernt», berichtet der Tunesier, der jetzt bei einem Bauunternehmen beschäftigt ist.

Seine beruflichen Verpflichtungen sind es, die ihn derzeit in Deutschland halten. «Ich würde schon sehr gerne zu meiner Familie reisen», gesteht Ben Rouek. Er verfolgt den ganzen Tag über aufgeregt die Nachrichten, um zu erfahren, was es Neues aus Tunesien gibt.

Für leichte Beruhigung sorgen da die täglichen Telefonate mit seiner Familie, die rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt lebt: «Meine Mutter hat mir zwar auch schon von Schießereien berichtet, es ist aber keinem Familienmitglied etwas zugestoßen», erzählt der gebürtige Tunesier, der mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Steinheim wohnt.

Nach Angaben des Memminger Ausländeramtes leben derzeit neun tunesische Staatsbürger in der Maustadt. Eine Familie sei in ihre Heimat geeilt und wolle auch keine Stellungnahme abgeben, ist im Amt zu erfahren.

Sami Ben Rouek hat kein Problem damit, sich öffentlich zu äußern. Dass sich das tunesische Volk gegen den Diktator erhoben habe, mache ihn stolz.

«Denn wir hatten bislang keine Freiheiten. Es ist alles immer noch schlimmer geworden. Außerdem gab es viele Ungerechtigkeiten. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass ein Präsident bei Wahlen immer über 90 Prozent der Stimmen bekommt», erklärt Ben Rouek. Er betont, niemals für Ben Ali gestimmt zu haben.

Er hofft nun auf grundlegende Veränderungen durch eine neue, frei gewählte Regierung. «Denn ohne Beziehungen hat in Tunesien nichts mehr funktioniert», kritisiert der 28-Jährige. «Alle Bürger haben gelernt, dass sie nur weiterkommen, wenn sie lügen und betrügen.»

Die Tunesier seien eigentlich friedfertige Leute, die ihre Ruhe haben wollten. So beschreibt Ben Rouek seine Landsleute. Doch dass nun viele von ihnen auf die Straße gingen, um für bessere Lebensbedingungen zu demonstrieren, hält er für absolut notwendig und gerechtfertigt: «Denn nur so kann in Tunesien alles besser werden.»

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