In luftiger Höhe über der Iller

Von Christine Rothauscher | Altusried/Dietmannsried Die alten Rittersleut aus Kalden benutzten sie, die Flößer aus dem Oberallgäu legten Jahrhunderte dort an, unzählige Pilger, Wanderer und fahrende Händler wählten diesen Wasserweg zwischen Altusried und Dietmannsried. Die Rede ist von der Fährstation in Fischers, die seit Jahren geschlossen ist. Jetzt aber ist der Weg über die Iller wieder frei, seit ehrenamtliche Brückenbauer eine Hängebrücke über den Fluss errichtet haben.

In ölverschmierten Handschuhen, die Stiefel dick mit Lehmbatzen verdreckt, so werkelt eine Gruppe Männer und Frauen auf schwankenden Eisenträgern. Schwindelerregend tief unter ihren Füßen zieht der Fluss dahin. Doch trotz ihres ungemütlichen Arbeitsplatzes schauen sie ausgesprochen heiter in die Runde: die ehrenamtlichen Brückenbauer, die in ihrer Freizeit zum Nulltarif eine 84 Meter lange Hängebrücke errichteten, die künftig das Illerufer zwischen Altusried und Dietmannsried verbinden wird. 'Ganz hinten, da haben wir heute Morgen mit der Montage des Maschendrahtzaunes angefangen'. Heribert Hartmann zeigt hinüber, wo die dicken Stahlseile des Brückenbauwerkes am Dietmannsrieder Steilufer verankert sind. Keine gefährliche Lücke klafft - dank des Maschendrahtzaunes - nunmehr zwischen dem Brücken-Rost und den seitlichen Metallträgern. Keiner der Wandersleut’ und Radlfahrer muss deshalb künftig mit ängstlich zusammengekniffenen Augen die 84,5 Meter lange Fußgängerbrücke zwischen der ehemaligen Fährstelle in Fischers und dem jenseitigen Weiler Pfosen überqueren.

Wer die freiwilligen Brückenbauer mit meterlangen Schraubenschlüsseln, schweren Zangen, Messgeräten und Farbtöpfen malochen sieht, würde nie auf die Idee kommen, dass die zwei Dutzend Männer und Frauen in ihrem Arbeitsleben meist im Büro sitzen oder als Landwirt oder Pensionswirtin tätig sind. Allerdings mit einer Ausnahme: Bauingenieur Heribert Hartmann. Er ist der 'Kopf der Bande' und ständig präsenter Capo auf der Flussbaustelle. Klar, schließlich hat er das gesamte Bauwerk geplant, er überwacht und koordiniert seit nunmehr neun Wochen die Montage der Brücke.

Fragt man Heribert Hartmann nach seinen bisher dafür gratis geleisteten Arbeitsstunden, winkt er bescheiden ab, so an die 800 werden es wohl sein, aber meine Leut’ schaffen sicher it weniger', Und dann zählt er auf: 'Zwischen acht und zwölf Stunden jeden Samstag, viele Abende nach Dienstschluss und das seit Pfingsten, da kommt jede Menge ehrenamtlich geleisteter Arbeitsstunden zusammen'.

'Brücke wird rechtzeitig fertig'

Übrigens, zu diesen ehrenamtlich tätigen Brückenbauern gehört auch Bürgermeister Heribert Kammel. Wer den bärtigen Mann in seiner schmutzverspritzten Arbeitskluft mit Hammer und Schraubenzieher hantieren sieht, wird den Altusrieder Rathauschef erst auf den zweiten Blick erkennen. 'So manche haben anfangs die Idee ganz schön verrückt gefunden', sinniert er, vielseitige Probleme seien aufgetaucht. 'Doch jetzt isch die Sach’ gelungen, die Brücke wird rechtzeitig fertig', sagt er und zeigt hinüber ans Ost-

ufer. Die Gemeinde Dietmannsried hat ihrerseits in den vergangenen Wochen viel Arbeit in die Herstellung der Wege bis zur Brücke und in die Errichtung der Anschlusstreppen gesteckt.

Die Einweihung und Eröffnung der Hängebrücke ist am Freitag, 10. August, 15 Uhr.

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