Oberallgäu
In Kung-Fu-Manier Trinkkumpanen malträtiert

Auf der Anklagebank vor dem Amtsgericht Sonthofen saßen zwei frühere Trinkkumpane notgedrungen nebeneinander. Sie würdigten sich kaum eines Blickes. Seit einer Schlägerei in einer Oberallgäuer Kneipe, bei der der eine Beteiligte auf den einstigen Weggefährten in der Manier eines chinesischen Kampfsportlers losgegangen war, sind die Freundschaftsbande zerschnitten.

Das Opfer zahlreicher Tritte, ein Frührentner, leidet vier Monate nach der Tat noch immer unter den Nachwirkungen. Der Täter, der seine Urheberschaft für die zahlreichen Prellungen und Blutergüsse beim anderen bestritt, wurde zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten und zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Aber auch der an diesem Abend in der Gaststätte herumpöbelnde Ex-Kumpel war nicht ausschließlich Opfer. Er hatte ein vom Wirt ausgesprochenes Lokalverbot ignoriert, was ebenfalls einen Straftatbestand darstellt. Wegen Geringfügigkeit wurde dieses Parallel-Verfahren indes eingestellt. So verfolgte der Frührentner den weiteren Prozessverlauf als Nebenkläger.

An dem Abend in der Kneipe gab es eine einzige nüchterne Person, die Freundin des Angeklagten. Alle anderen Gäste hatten viel getrunken. So erschien es für den Richter kompliziert, den wahren Sachverhalt aufzuklären, zumal die Freundin als Zeugin weitreichende Erinnerungslücken geltend machte. «Sie können mich ja an einen Lügen-Detektor anschließen», bemerkte sie trotzig, als Richter und Staatsanwalt ihre Aussage in Zweifel zogen.

Von den angeblichen «Kung-Fu-Hampeleien» eines entfesselten Kampfhahns will die Zeugin nichts mitbekommen haben. Jedenfalls getroffen habe ihr Freund den anderen nicht. Womöglich hat sich die eigentliche Schlägerei auch erst draußen vor der Gaststätte abgespielt, nachdem der Wirt die Streithähne vor die Tür bugsieren konnte. Asiatische Kampf-Aktivitäten auch mit den Füßen sind dem Angeklagten jedoch nicht völlig unbekannt.

Erst kurz zuvor hatte er in der Wohnung der Freundin mit Tritten eine Lampe zerdeppert.

Entzugstherapie

Der Hauptbeschuldigte beschrieb die Zwistigkeit mit dem alten Bekannten so: «Wir haben Stress gehabt». Sein Alkoholproblem gestand der Angeklagte unumwunden ein. Eine Entzugstherapie ist deshalb Bestandteil des Urteils gegen den Mann.

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