Lindau
«In jeder Krise steckt eine Chance»

Die Wirtschaft steckt in einer Krise, wie tief sie ist und wie lange sie dauern wird, darüber rätseln auch die Unternehmer im Landkreis. «Ich kann mich nicht erinnern, dass die Erwartungen an den Verlauf eines Jahres so unsicher, aber auch so unterschiedlich waren wie in diesem Jahr», sagte der IHK-Regionalvorsitzende Thomas Holderried beim Neujahrsempfang der Kammer.

Der IHK-Neujahrsempfang dient traditionell dem Meinungsaustausch von Unternehmern, Politikern und Vertretern verschiedenster Gruppierungen. Gleichzeitig ist er immer auch Anlass einer Standortbestimmung für die heimische Wirtschaft. Die fällt heuer schwer. Keiner könne derzeit beantworten, wie es 2009 weitergehe, so Holderried. Die Krise habe zwar den Landkreis erreicht, so der Vorstandsvorsitzende der Demmel AG, Grund zum Schwarzsehen sei sie aber nicht. Die Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren in der Mehrzahl ihre Marktposition verbessert. Zudem sei ihre Eigenkapitalquote besser als noch vor ein paar Jahren. «Der Mittelstand verfügt damit über höhere Reserven, eine schwerwiegende Krise zu überstehen».

Holderried sieht auch Lichtblicke: Ein besserer Wechselkurs des Euro zum Dollar und sinkende Rohstoff-, beziehungsweise Energiepreise gehören dazu. Zudem hätten mittelständische Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte wieder bessere Karten als Großunternehmen. In jeder Krise, so der IHK-Regionalvorsitzende, «stecken auch Chancen». Er riet seinen Kollegen, sich auf «innovative Produkte und Technologien» zu konzentrieren und sich um die «Qualifikation der Mitarbeiter zu kümmern». Denn derjenige, der bei einer Konjunkturbelebung über überdurchschnittliche Produkte, Technologien und qualifizierte Fachkräfte verfüge, werde Marktanteile gewinnen.

Familiengeführte, mittelständische Unternehmen dominieren im Landkreis. Nicht von ungefähr hatte die IHK deshalb mit Dr. Stephan A. Jansen den Präsidenten der Zeppelin-University eingeladen. Die vergleichsweise kleine und junge private Hochschule (2003 gegründet) sorgt wegen ihres interdisziplinären Ansatzes zwischen Wirtschaft, Kultur, Medien und Politik für Aufsehen. Und sie hat das «Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen» gegründet.

Beim Empfang ging der Wissenschaftler ging der Frage nach, ob man zum Unternehmer ausgebildet werden kann (Antwort: nein) und landete unweigerlich auch bei der deutschen Bildungslandschaft. Die sieht er kritisch.

Die Bundesrepublik gebe sechsmal mehr für die Vergangenheit aus als für die Zukunft, so Jansen mit Blick auf die staatlichen Ausgaben für Zinsen, Tilgung und Beamtenpensionen auf der einen und die Investitionen in die Bildung anderen Seite. Seine Forderung: Universitäten sollen unternehmerischer werden, wirtschaftlicher denken, zudem die Studierenden stärker an den Kosten beteiligen. Ein Akademiker verdiene später 58 Prozent mehr als ein Nicht-Akademiker. Deshalb sei es «gerecht, Studierende im Anschluss an das Studium angemessen an den Kosten zu beteiligen». Bei der Auswahl ihrer Studenten beschreitet die Zeppelin-Universität einen eigenen Weg.

Beim Bewerbertag gehen die Abiturienten «dorthin, wo es brennt» - Krankenhäuser, Gefängnisse, Rathäuser, Schulen - Einrichtungen, die ein größeres Problem haben, das sie seit Monaten nicht lösen konnten. Die jungen Leute sollen dafür Ansätze entwickeln. «Eine angemessene Aufgabe für einen 18-, 19-jährigen angehenden Akademiker» (Jansen).

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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