Marktoberdorf / Wald
In Hotel-Pläne kommt wieder leichte Bewegung

Als im November 2008 Touristik- und Hotelexperten den Marktoberdorfer Stadträten ihre Pläne für ein «Traktor-Hotel» auf dem ehemaligen Fendt-Parkplatz vorstellten, lieferten sie damit viel Gesprächsstoff. Die Reaktionen lagen zwischen Kopfschütteln und lautem Applaus. Im Frühjahr präsentierten Uli Riedel (Riedel Consulting, Reutlingen), Professor Robert Huber (Marktoberdorf) und Bernd Schöpker (Heidelberg) ihre Ideen dann noch vor dem Touristikverein - und seither scheint das «Traktor-Hotel» im Dornröschenschlaf zu liegen. In jüngster Zeit kommt jedoch wieder etwas Bewegung in das Thema. Bürgermeister Werner Himmer hat jüngst erneut mit einem potenziellen Investor gesprochen. Ein «erster Entwurf» für ein Hotel soll nach der Sommerpause im Stadtrat vorgestellt werden.

Die Pläne für ein weiteres Hotel in der Kreisstadt werden von konträren Positionen begleitet: Während vor allem der Traktorenbauer AGCO/Fendt über zu wenig gute Hotelzimmer in der Stadt klagt, halten die etablierten Hoteliers in der Stadt ein weiteres Haus für wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Weil aber auch sie wissen, dass ihre Zimmerkapazitäten nicht immer ausreichen, will der eine oder andere erweitern.

Das Hotel Sepp (knapp 50 Zimmer) ist bereits dabei. Mittelfristig werde bei ihm eine ganze Reihe neuer Zimmer entstehen, sagt Werner Sepp. Veronika Burger hat in ihrem Haus «St. Martin» (26 Zimmer) keine Kapazitäten mehr, um weiter auszubauen. Anderweitige Überlegungen seien «noch nicht ausgegoren».

Keine Ausbaumöglichkeit im bestehenden Haus sieht auch Barbara Blochum vom Gasthof «Hirsch» (17 Zimmer). Alle anderen Gedanken seien «noch nicht spruchreif».

«Berghof» baut kräftig aus

Dagegen ist Herbert Babel derzeit Bauherr. Der Hotelier und Landwirt, der mit seiner Frau Monika seit 15 Jahren den «Berghof» in Wald betreibt, erweitert den Landgasthof um einen Neubau mit 23 Zimmern. Damit stehen dort ab November 60 Zimmer zur Verfügung. Schon in den letzten Jahren habe er immer wieder gebaut, dabei aber «mehr auf Qualität als auf Quantität» gesetzt, so Babel. Nun stockt er kräftig auf, denn «wir sind der Meinung, der Bedarf ist da». Zumal der Standort auf dem Land anders als ein Stadthotel auch für Feriengäste attraktiv sei. Und diese sind bei ihm gut vertreten: 60 Prozent Urlauber und 40 Prozent Geschäftsreisende und Firmenangehörige schätzt er die Struktur seiner Gäste ein.

Ein «Traktor-Hotel» gegenüber dem Landratsamt hält Bürgermeister Himmer «nach wie vor eine gute Idee». Was der potenzielle Investor, mit dem er jüngst wieder sprach, vorhat, will der Bürgermeister nicht schon publik machen - außer dass dieser als Hotellage das Modeon-Umfeld im Auge hat. Damit sei freilich der Standort beim Landratsamt «nicht hinfällig», betont Himmer.

Tourismus-Professor Robert Huber betrachtet den Standort Modeon eher skeptisch: «Wenn das Hotel stark von Fendt belegt ist, sollte es auch zu Fendt hin tendieren.» Er habe zuletzt im Januar mit der Rathauspitze über das Thema gesprochen, seither herrsche «Funkstille». Laut Huber haben er und Hotelberater Riedel der Stadt angeboten, die Investorensuche zu übernehmen. Diese habe aber darauf verzichtet, zumal Himmer bereits Kontakte zu möglichen Investoren hatte.

Der Experte sieht es als wichtig an, dass sich ein Investor und ein Betreiber finden, die schon erfolgreich auf dem Markt vertreten sind. Dabei müsse der Betreiber das Internetgeschäft beherrschen: Ein Drittel der Buchungen laufe heute übers Netz.

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